Zweifel an der Überlegenheit der minimalinvasiven Hysterektomie beim frühen Zervix-Karzinom


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die 4-Jahres-Mortalität von minimalinvasiv operierten Frauen mit frühem Zervix-Karzinom liegt bei 9 % und ist damit deutlich höher als bei offen operierten Patientinnen (5 %). Mit der Einführung des neuen Verfahrens sanken die Überlebensraten in den USA 4 Jahre in Folge um durchschnittlich 0,8 %.

Hintergrund

Die minimalinvasive Chirurgie wurde als Alternative zur Laparotomie eingeführt, um bei Frauen mit einem frühen Zervix-Karzinom eine radikale Hysterektomie schonender durchführen zu können. Allerdings wurde diese Maßnahme weithin übernommen, ohne dass es qualitativ hochwertige Evidenz zur Auswirkung auf das Überleben gab.

Design

Kohortenstudie mit 2461 Frauen, die in den Jahren 2010 – 2013 an zertifizierten Kliniken in den USA eine radikale Hysterektomie wegen eines Zervixkarzinoms des Stadiums IA2 oder IB1 erhielten, und von denen 1225 minimalinvasiv operiert worden waren.

Hauptergebnisse

  • Minimalinvasiv operierte Frauen waren häufiger weiß, privatversichert, und aus wohlhabenderen Bezirken. Sie hatten außerdem kleinere und niedriggradigere Tumore, und sie wurden tendenziell später im Studienzeitraum diagnostiziert, als laparotomisch operierte Frauen.
  • Die 4-Jahres-Mortalität lag nach einer medianen Nachverfolgungszeit von 45 Monaten für minimalinvasiv operierte Frauen bei 9,1 %; bei offen operierten Patientinnen waren es 5,3 %. Dies entspricht einem Chancenverhältnis HR von 1,65 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 1,22 – 2,22 (P=0,002) zuungunsten des minimalinvasiven Eingriffs.
  • In einer Zeitreihenanalyse anhand einer nationalen Datenbank haben die Forscher außerdem die relativen Überlebensraten vor und nach der Einführung minimalinvasiver Operationen im Jahr 2006 untersucht. Sie waren mit offenen Eingriffen um jährlich im Mittel 0,3 % gestiegen (95%-KI -0,1 – 0,6; nicht signifikant), dann nach der Einführung des minimalinvasiven Verfahrens vier Jahre lang um durchschnittlich 0,8 % gesunken (95%-KI 0,3 – 1,4; signifikant).
  • Die Assoziation der minimalinvasiven Hysterektomie mit einer erhöhten Sterblichkeit war unabhängig davon, ob die Eingriffe traditionell oder Roboter-assistiert durchgeführt wurden, ebenso wie von der Tumorgröße und -histologie.

Klinische Bedeutung

Wie die Autoren anmerken, herrscht unter Gynäkologen weitgehend Einigkeit, dass die minimalinvasive Chirurgie beim Zervix-Karzinom im frühen Stadium sinnvoll ist. Frühere Studien, die diesen Schluss unterstützen, waren jedoch retrospektiv angelegt und deutlich kleiner als die aktuelle Untersuchung.  Neben Melamed et al. ist in der gleichen Ausgabe des New England Journal of Medicine eine weitere Studie erschienen, die u.a. wegen einer 6-fach höheren 3-Jahres-Sterblichkeit unter der neuen Methode vorzeitig abgebrochen wurde. Beide Studien zusammen stellen eine schweren Schlag für die minimalinvasiven Chirurgie in dieser Indikation dar, urteilt Kommentatorin Amanda F. Fader von der Johns Hopkins School of Medicine, Baltimore. Sie sollten Patientinnen in der Beratung nicht vorenthalten werden.

Finanzierung: National Cancer Institute u.a. öffentliche Einrichtungen bzw. Stiftungen.