Zweifel am Nutzen einer chirurgischen Behandlung bei lokalisierten asymptomatischen neuroendokrinen Pankreastumoren

  • Powers BD & al.
  • J Gastrointest Surg
  • 21.11.2019

  • von Jim Kling
  • Studien – kurz & knapp
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Kernaussage

Eine Auswertung der SEER (Surveillance, Epidemiology, and End Results) Datenbank kommt zu dem Ergebnis, dass eine operative Behandlung von lokalisierten asymptomatischen neuroendokrinen Pankreastumoren keinen Vorteil im Hinblick auf das krebsspezifische Überleben bringt.

 

Hintergrund

Neuroendokrine Tumoren des Pankreas sind selten und machen weniger als 3% aller Neoplasien der Bauchspeicheldrüse aus. Meist werden diese Tumoren erst in einem späten Stadium diagnostiziert, wenn bereits Metastasen aufgetreten sind. Die Anzahl der neuroendokrinen Pankreastumoren, die in einem frühen Stadium diagnostiziert werden, nimmt jedoch zu. Die Behandlung dieser lokalisierten asymptomatischen neuroendokrinen Pankreastumoren wird kontrovers diskutiert. Meist werden die Patienten operativ behandelt, wobei bislang unklar ist, ob dies tatsächlich vorteilhaft ist. Die vorliegende Studien überprüfte daher den Effekt einer Operation für das allgemeine Überleben sowie für das krebsspezifische Überleben der Patienten.

 

Studiendesign

Retrospektive Analyse von Daten der SEER-Datenbank (n=709)

 

    Hauptergebnisse

    • 88.6% der Patienten mit neuroendokrinen Tumoren im Stadium I wurden operiert.

    • Die mittlere Beobachtungszeit betrug 24 Monate.

    • Das krebsspezifische Überleben lag mit Operation bei 98.2% und ohne Operation bei 98.6%.

    • Das Gesamtüberleben war in der Gruppe mit chirurgischem Eingriff höher als bei der Gruppe ohne Operation. 4.1% der Patienten mit Operation und 13,6% ohne Operation starben im Beobachtungszeitraum (aHR, 0,32; 95% CI, 0,15–0,70).

    • Die krebsspezifische Todesrate lag in der Gruppe mit Operation bei 1,4%. Demgegenüber stand eine krebsspezifische Todesrate von 2,5 bei den Patienten ohne Operation. Der Unterschied war jedoch nicht statistisch signifikant (aHR, 0,42; 95% CI, 0,09–1,99).

     

    Klinische Bedeutung

    • Frühere Studien haben auf den Nutzen einer operativen Behandlung bei neuroendokrinen Pankreastumoren im Frühstadium hingewiesen. Diese Ergebnisse könnten jedoch dadurch verzerrt sein, dass eine Operation bevorzugt bei Patienten mit insgesamt besserem Gesundheitszustand durchgeführt wird.

    • Es handelt sich um die erste Studie, die seit der Einführung der neuen Stadieneinteilung in der achten Ausgabe des AJCC Staging Manual den Effekt einer chirurgischen Behandlung von lokalisierten asymptomatischen neuroendokrinen Pankreastumoren prüft.

    Limitierungen

    Retrospektive Analyse

    Finanzierung

    Keine Angaben