Zwei neue Reserve-Antibiotika bald auf dem deutschen Markt


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

In den nächsten Monaten sollen zwei neue antibakterielle Wirkstoffe auf den Markt kommen, die jeweils Resistenzen bei bestimmten Bakterien überwinden . Eines davon hat im Oktober die EU-Zulassung, das andere im September eine Zulassungsempfehlung erhalten. Drei weitere Antibiotika befinden sich im Zulassungsverfahren. Dies meldete der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) anlässlich der Welt-Antibiotika-Woche der WHO vom 12. bis 18.11.

Hintergrund

Immer mehr Bakterien sind gegen Antibiotika resistent. Dazu gehören vor allem gegen Fluorchinolone resistente Escherichia coli, Vanomycin-resistente Enterokokken und Carbapeneme-resistente gramnegative Erreger. Laut einer im "The Lancet Infectious Diseases" publizierten Studie gab es allein im Jahr 2015 europaweit 671.689 Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien. Mehr als 33.000 Menschen überlebten diese Infektion nicht. 39 Prozent der Patienten waren mit Bakterien infiziert, gegen die selbst Reserve-Antibiotika keine Wirkung mehr zeigten.

Ergebnisse

Eravacyclin, eines der beiden neuen Antibiotika, ist bereits in der EU zugelassen, aber noch nicht auf dem Markt. Es handelt sich um ein Tetrazyklin, das bei komplizierten Bauchraum- Infektionen zum Einsatz kommen soll. Der zweite antibakterielle Wirkstoff ist ein Kombinationspräparat aus Meropenem und dem neuen Beta-Lactamase-Inhibitor Vaborbactam. Das Präparat wurde im September zur Zulassung empfohlen und soll sowohl bei Infektionen mit gramnegativen Bakterien als auch bei Carbapenem-resistenten Enterobakterien angewendet werden.

Außerdem befinden sich drei weitere Antibiotika im EU-Zulassungsverfahren, die in den USA bereits verfügbar sind:

  • Delafloxacin, ein Fluorchinolon mit Indikation Haut-, Lungen-, Bauch- und Harnwegsinfektionen durch gramnegative und grampositive Bakterien einschließlich MRSA.
  • Plazomicin, ein Aminoglykosid, indiziert bei komplizierten Harnwegsinfektionen einschließlich Pyelonephritis, Sepsis durch bestimmte Enterobakterien sowie enterobakteriellen Infektionen bei Erwachsenen mit limitierten Therapiealternativen inklusive Carbapenem-Resistenz.
  • Omadacyclin, ein Aminomethylcyclin und Tetrazyklin-Analogon zur Behandlung von Hautinfektionen und Lungenentzündungen durch grampositive und gramnegative Erreger.

Darüber hinaus befinden sich mehrere neue Antibiotika in der Phase III der klinischen Entwicklung.

Klinische Bedeutung  

Noch könne aber nicht jede therapeutische Lücke in absehbarer Zeit geschlossen werden: „Die Anstrengungen zur Entwicklung neuer Antibiotika müssen gesteigert werden, damit die Medizin dauerhaft Resistenzen begegnen kann", fordert vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer.Gesucht werden insbesondere neuartige Mittel gegen gramnegative Bakterien sowie gegen von je her schwer therapierbare Infektionen wie Pseudomonas-Befall der Lunge, Buruli-Ulcus und Infektionen in abgestorbenem Gewebe. „Doch für viele denkbare Antibiotika-Projekte ist ungeklärt, wie Unternehmen sie refinanzieren könnten; die resultierenden Produkte sollen ja später so selten wie möglich zum Einsatz kommen." Der Verband spricht sich daher für neue Refinanzierungsmodelle aus.