Zusammenhang zwischen Vorhofflimmern und kognitivem Abbau bestätigt


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Vorhofflimmern ist bei alten Patienten mit einem beschleunigten kognitiven Abbau und einem erhöhten Risiko für eine Demenz assoziiert, vor allem für vaskuläre und gemischte Formen. Antikoagulanzien können der Entwicklung einer Demenz möglicherweise entgegenwirken.

Hintergrund

Die Prävalenz von Vorhofflimmern und Demenz-Symptomen nimmt mit dem Alter zu. Der Zusammenhang zwischen der Herzrhythmusstörung und kognitivem Abbau bei Schlaganfall-Patienten ist bekannt; nicht einheitlich sind nach Angaben der Autoren der aktuellen Studie die Daten zum Zusammenhang bei alten, über 75-jährigen Menschen. Klärungsbedarf gebe es auch zu der Frage, welche Effekte eine gerinnungshemmende Therapie wegen Vorhofflimmerns auf die kognitiven Fähigkeiten habe. 

Design

Kohorten-Studie mit 2685 demenzfreien und mindestens 60 Jahre alten Teilnehmern der „Swedish National Study on Aging and Care in Kungsholmen“, die regelmäßig zwischen 2001 und 2004 sowie 2010 und 2013 untersucht wurden. Das Durchschnittsalter betrug 73 Jahre, der Frauen-Anteil 63 Prozent. Der Befund Vorhofflimmern wurde anhand der klinischen Untersuchungen, der Elektrokardiogramme und von Register-Daten ermittelt. Für die globale kognitive Leistungsfähigkeit wurde der MMST verwendet.

Hauptergebnisse

  • 243 Teilnehmer (9,1%, Durchschnittsalter: 81 Jahre) hatten zu Beginn Vorhofflimmern.
  • Während der neunjährigen Beobachtungsdauer entwickelten 279 Teilnehmer (11,4 %) diese Rhythmusstörung und 399 (14,9 %) eine Demenz.  
  • Vorhofflimmern ist mit einem rascheren kognitiven Abbau (MMST) und mit einem erhöhten Demenz-Risiko assoziiert (HR = 1,40, 95% CI: 1,11–1,77), nicht jedoch mit einem erhöhten Risiko für die Alzheimer-Erkrankung (HR = 1,33, 95% CI: 0,92–1,94).
  • Bei Patienten mit Vorhofflimmern geht die Behandlung mit Antikoagulanzien mit einer relativen Reduktion des Demenz-Risikos um 60 % einher (HR = 0,40; 95% CI: 0,18–0,92): In der Patienten-Gruppe ohne Antikoagulation betrug der Anteil mit Demenz 22,3 %, in der Gruppe mit Antikoagulation 10,9 %.

Klinische Bedeutung

Die schwedische Kohorten-Studie ergänzt mehrere frühere Studien zum Zusammenhang zwischen Vorhofflimmern, kognitivem Abbau und Demenz, darunter zum Beispiel Post-hoc-Analysen der Studien ONTARGET und TRANSCEND und auch eine 2013 publizierte Metaanalyse („Annals of Internal Medicine“). Bereits zwei Jahre zuvor hatten auch britische Autoren - ebenfalls in einer Metaanalyse - eine erhöhte Demenz-Inzidenz bei Patienten mit Vorhofflimmern festgestellt („Neurology“). 

Die aktuelle Studie bestätigt zudem eine vor einem Jahr publizierte Studie, nach der Gerinnungshemmer Patienten mit Vorhofflimmern möglicherweise vor einem beschleunigten Abbau der kognitiven Fähigkeiten schützen („European Heart Journal“).  Insgesamt unterstreicht die Arbeit den Zusammenhang zwischen der Herzrhythmusstörung und zerebralen Leistungen sowie einen möglichen Nutzen der Antikoagulation für die kognitiven Fähigkeiten. Allerdings gilt auch für diese Studie, dass ihre Aussagekraft methodisch bedingt eingeschränkt ist und die Ergebnisse nicht frei von möglichen Verzerrungen sind.

Finanzierung: Staatliche Mittel