Zusammenhang zwischen geringerem Hörvermögen und verminderter Kognition festgestellt

  • JAMA Otolaryngology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Nicht nur die Schwerhörigkeit im eigentlichen Sinne ist mit einer verringerten Kognition assoziiert. Vielmehr gibt es solch eine Assoziation bereits unter der Schwelle zur geringgradigen Schwerhörigkeit von 25 dB Hörverlust.

Hintergrund

Eine Langzeitstudie hat kürzlich bestätigt, dass nach einem Hörverlust ein erhöhtes Risiko besteht, kognitive Einbußen zu erleiden. Unbekannt ist jedoch, ab welcher Schwelle des Hörverlustes diese Assoziation beginnt.

Design

Die mögliche Assoziation zwischen Gehör und Kognition wurde hier bei Individuen untersucht, die man in der traditionellen Klassifikation als normalhörig eingestuft hätte. Genutzt wurden dafür die Daten zweier epidemiologischer Studien in den USA mit zusammen 6451 Personen im durchschnittlichen Alter von 59,4 Jahren und einem Mindestalter von 50 Jahren, darunter 59,5 % Frauen. Gegenübergestellt wurden die Ergebnisse eines Tonaudiogrammes, gemittelt über 4 Frequenzen, sowie die Ergebnisse von 5 Tests zur Kognition.

Ergebnisse

  • In der multivariablen Regressionsanalyse ergab sich eine signifikante inverse Assoziation zwischen dem Hörvermögen und der Kognition. Diese Assoziation erstreckte sich über die gesamte Bandbreite des Hörvermögens und hatte auch nach Adjustierung für demographische Faktoren und Herz-Kreislauferkrankungen Bestand.
  • Auch unterhalb der Schwelle einer Hörminderung von 25 dB, mit der nach Einschätzung der WHO die geringgradige Schwerhörigkeit beginnt, fand sich eine unabhängige Assoziation zwischen schlechterem Hörvermögen und geringerer Leistung bei allen Kognitionstests. Eine Abnahme um 10 dB ging beispielsweise mit einer klinisch bedeutsamen Reduktion von 1,97 Punkten im Digit Symbol Substitution Test (DSST) einher.
  • Bei normalhörigen Personen waren die Assoziationen zwischen geringerem Hörvermögen und eingeschränkter Kognition mindestens so stark oder stärker ausgeprägt wie bei Personen mit Hörverlust. Erstere verloren im DSST durchschnittlich 2,28 Punkte je 10 dB Hörminderung, letztere dagegen 0,97 Punkte.

Klinische Bedeutung

Zwar kann die Studie einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Hörvermögen und dem Risiko für Kognitionsverluste nicht belegen, doch ist eine Ursache-Wirkungsbeziehung durchaus plausibel. Somit wäre nicht nur die Behandlung bereits eingetretener Hörverluste > 40dB eine probate Strategie zur Reduktion von Demenzerkrankungen, wie kürzlich argumentiert wurde, sondern diese Schwelle sollte auf 25 dB herabgesetzt werden, fordern die Autoren. Überdies könnten wohl auch die Schonung und die Bewahrung eines gesunden Gehörs einen Beitrag zur Demenzprävention leisten, dessen Größe bislang nicht ausreichend erkannt wurde.

Finanzierung: National Institutes of Health.