Zusammenfassung der Ereignisse des Tages: Jahrestagung 2019 der International AIDS Society in Mexiko-Stadt


  • Heather Boerner
  • Conference Reports
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Die Jahreskonferenz 2019 der International AIDS Society zur HIV-Forschung brachte neue und aktualisierte Informationen zur Erforschung von Behandlungen, Präventionsmaßnahmen, Heilmitteln und Impfstoffen sowie zur HIV-Grundlagenforschung und dazu, wie diese wissenschaftlichen Erkenntnisse auf die Menschen mit dem größten HIV-Ansteckungsrisiko übertragen werden können.

 

Track A – Grundlagenforschung

 

Am Montag, 22. Juli, stellte Jonathan Karn (Case Western Reserve University) Daten vor, die einen Zusammenhang zwischen Östrogen und dem Latenzreservoir nahelegen. Leukapherese-Proben von 12 Erwachsenen unter einer antiretroviralen Therapie (ART) mit vollständiger Suppression wurden auf eine Wechselwirkung mit dem Östrogenrezeptor-a-1 und den entsprechenden Zusammenhang mit dem Auftauchen von HIV aus Reservoirzellen analysiert. Die Forscher stellten fest, dass die Exposition gegenüber Östrogen bei Frauen vor und nach der Menopause „die Ausbreitung des Virus praktisch vollständig blockierte“. Dasselbe traf auf Männer nicht zu. 

Am Mittwoch präsentierte Katherine Bricker (Emory University School of Medicine, Fachärztin für pädiatrische Infektionskrankheiten) ihre Erkenntnisse zur Umkehrung der Zelllatenz durch GS-986, einen von Gilead Sciences hergestellten Agonisten des Toll-like-Rezeptors 7, bei mit dem simianen Immundefizienz-Virus infizierten jungen Rhesusaffen mit Virussuppression. Das Forschungsteam stellte fest, dass GS-986 mit keinerlei unerwünschten klinischen Ereignissen assoziiert war, die Immunaktivierung in IL-6 und I-TAC verstärkte und die Virussuppression bei den Affen aufrechterhielt. Gilead Sciences hat vor, den Agonisten in Kombination mit einem Impfstoff zu untersuchen, um dadurch eine Möglichkeit zu finden, das Virusreservoir zu beseitigen und HIV-Infektionen zu heilen.

 

Track B – Klinische Forschung

 

An der IAS 2019 wurden verschiedene Studien zu antiretroviralen HIV-Mitteln vorgestellt, in denen nachgewiesen wurde, dass neue Wirkstoffe das HIV dauerhaft unterdrückten und den Patienten mit dem größten Bedarf Abhilfe verschafften. Am Montag präsentierte Max Lataillade (ViiV Healthcare) Daten nach 96 Wochen zum Entry-Inhibitor Fostemsavir bei Patienten mit Resistenzen gegen verschiedene HIV-Wirkstoffklassen. Das Medikament bindet an das HIV-Hüllprotein gp120 und verhindert das Eindringen des HIV in Zellen. Nach 96 Wochen erreichten 60 Prozent der Teilnehmer mit ein oder zwei verbleibenden HIV-Wirkstoffklassen und einer Viruslast von 400 Kopien/ml zum Studienbeginn eine Virussuppression. Das ist eine Steigerung gegenüber nur 6 Prozent nach 48 Wochen. 

Ebenfalls am Montag lieferte Rebecca Zash (Botswana Harvard AIDS Institute Partnership) eine Zusammenfassung zum aktuellen Anteil an Neuralrohrdefekten bei Schwangerschaften von Frauen, die zum Zeitpunkt der Empfängnis Dolutegravir eingenommen hatten. An der AIDS-Konferenz 2018 hatte Zash Daten vorgestellt, wonach der Anteil an Neuralrohrdefekten bei Frauen unter Dolutegravir 0,93 Prozent betrug, was im Vergleich zu 0,8 Prozent bei Frauen ohne HIV steht. Laut den neuen Daten ist der Anteil an Neuralrohrdefekten bei Frauen unter DTG zum Zeitpunkt der Empfängnis auf 0,30 Prozent gesunken.

Am Mittwoch wurden zwei Studien zu Behandlungsschemen mit zwei Wirkstoffen vorgestellt. Jean-Michel Molina (Hôpital Saint-Louis und Université Paris VII) präsentierte eine randomisierte, doppelblinde Dosiseskalationsstudie der Phase IIb an 121 nicht vorbehandelten Patienten mit HIV. Den Patienten wurde entweder das ARV-Prüfpräparat Islatravir (ISL) von Merck mit Doravirin (DOR) oder DOR/Lamivudin/Tenofovirdisoproxilfumarat verabreicht. Nach 48 Wochen wurde bei 89,7 Prozent der Teilnehmer unter ISL/DOR mit 0,25 mg ISL plus 100 mg DOR eine Virussuppression erreicht. Bei fünf Patienten unter ISL/DOR kam es zu einem Behandlungsversagen, im Arm mit DOR/3TC/TDF hingegen nur bei einem.

 

Track C – Prävention

 

Islatravir trat auch im Präventionsbereich in Erscheinung. Randolph Matthews (MSD) stellte eine Pilotstudie der Phase I mit 16 Teilnehmern vor, denen der Wirkstoff als Präexpositionsprophylaxe (PrEP) in Form eines Polymerimplantats verabreicht wurde, das ähnlich wie die empfängnisverhütenden Implantate des Unternehmens wirkt. Nach 12 Wochen wiesen die Teilnehmer mit dem 54-mg-Implantat einen Medikamentenspiegel von über 0,05 pmol/106 auf. Ab dieser Konzentration schützt der Wirkstoff nach Meinung des Unternehmens vor einer HIV-Infektion. Das Medikament war gut verträglich, zu den geringfügigen Nebenwirkungen gehörten Kopfschmerzen.  

Von der HOPE-OLE-Studie wurden zudem abschließende Daten aus der Phase III zu einem Verhütungsring mit Dapivirin vorgestellt. Im Jahr 2016 hatte sich der Ring bei 27 Prozent der untersuchten Frauen als wirksamer Schutz gegen HIV erwiesen. 2018 wiesen Frauen, die den Ring erhalten hatten, eine HIV-Inzidenz von weniger als 2 Prozent auf; die HOPE-Studie diente allerdings nicht zur Bestimmung der Wirksamkeit. Dieses Jahr berichtete Jared Baeten (Global Health, University of Washington Seattle), dass die Langzeitnachbeobachtungsphase der Studie mit einer HIV-Inzidenzrate von 2,7 je 100 Personenjahre zu Ende gebracht wurde, was unter der erwarteten Inzidenzrate von 4,4 je 100 Personenjahre liegt.

 

Track D – Sozial-, Verhaltens- und Interventionsforschung

 

In einem Versuch, bei gleichgeschlechtlichen Sexualverkehr praktizierenden Männern in der HIV-Versorgung eine Virussuppression zu erreichen, wurde in der randomisierten Studie HPTN 078 ein erweitertes Fallmanagement mit dem Versorgungsstandard verglichen. Die daraus hervorgehenden Daten wurden von Chris Beyrer (Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, Abteilung für Epidemiologie) vorgestellt. 154 HIV-positive MSM ohne medizinische Versorgung wurden in Birmingham (Alabama), Atlanta (Georgia), Baltimore (Maryland) und Boston (Massachusetts) in die Studie aufgenommen. Bei der Feststellung, wer nach 12 Monaten eine Virussuppression erreicht hatte, ergaben sich keine Unterschiede zwischen den Gruppen; der entsprechende Anteil lag gruppenübergreifend bei 48 Prozent.