Zunehmender Chemsex gewinnt als Risikofaktor für HIV an Bedeutung


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussagen

  • Der Gebrauch von sexfördernden Drogen hat unter MSM der Swiss HIV Cohort Study (SHCS) zwischen 2007 und 2017 signifikant zugenommen.
  • Chemsex ist signifikant assoziiert mit einem erhöhten Risikoverhalten beim Sex sowie mit einer erhöhten Prävalenz von Depressionen, Syphilis und Hepatitis C.

Der Begriff Chemsex beschreibt Sex unter dem Einfluss von synthetischen Drogen wie Methamphetamin (Chrystal Met), Mephedron oder GHB/GBL (Gamma-Hydroxybutyrat/Gamma-Butyrolacton, Liquid Ecstasy), insbesondere unter Männern, die Sex mit Männern (MSM) haben. Das damit einhergehende Risikoverhalten erhöht die Gefahr für eine HIV-Infektion. Bislang existieren jedoch kaum Daten zur Langzeitentwicklung der Chemsex-Szene, sowie damit assoziierten gesundheitlichen Risiken. Im Rahmen der Swiss HIV Cohort Study wurde daher untersucht, wie sich der Gebrauch von synthetischen Drogen unter MSM zwischen 2007 und 2017 entwickelt hat. Analysiert wurden dafür die Daten von 12527 Probanden der Swiss HIV Cohort Study (SHCS).

 

Zunehmender Chemsex unter MSM

Während in der gesamten Cohorte der Konsum von Freizeitdrogen – Cannabis, Amylnitrit (Poppers) und verschreibungspflichtige Medikamente waren ausgeschlossen – über den Untersuchungszeitraum weitgehend stabil war, ließ sich unter MSM eine Zunahme ausmachen.

  • Der Gesamtkonsum an sexfördernden Drogen stieg unter MSM von 8,8% in 2007 auf 13,8% in 2017 an.

  • Der Konsum von Methamphetamin stieg in diesem Zeitraum von 0,2 auf 2,4% an (P

  • Der Konsum von GHB/GBL kletterte von 1,0 % auf 3,4% (P

Der Gebrauch von sexfördernden Drogen war außerdem signifikant mit kondomlosem Sex und wechselnden Sexual p artnern assoziiert sowie mit erhöhten Prävalenzen für Depressionen, Syphilis und Hepatitis C.

 

Chemsex von Bedeutung für die Prävention

Der zunehmende gebrauch von sexfördernden Drogen unter MSM innerhalb der SHCS und die starke Assoziation mit Coinfektionen, und Depressionen machen deutlich, dass Chemsex in Präventionsprogrammen stärker berücksichtigt und thematisiert werden muss.