Zunahme des Blutdrucks mit dem Alter kein Naturgesetz


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Steigt im Laufe der Jahre der Blutdruck, ist dies nicht automatisch eine unabänderliche Folge des Alterns, sondern eher durch modifizierbare „Umwelt-Faktoren“ bedingt.  

Hintergrund

Zu hoher Blutdruck ist weltweit eine Hauptursache für Morbidität und Mortalität. Als einer der nicht-modifizierbaren Faktoren, die zu einem Blutdruck-Anstieg führen, gilt außer der Erbanlage das Altern. Allerdings ist dies wissenschaftlich nicht eindeutig genug belegt, da es extrem schwierig ist, den Parameter Altern unabhängig von externen Faktoren wie der Lebensweise zu untersuchen. US-Forscher haben nun dennoch versucht, die Bedeutung des Alterns für den Blutdruck zu klären bzw. besser einschätzen zu können. Dazu haben sie eine Studie mit Mitgliedern von zwei indigenen Volksgruppen durchgeführt, die relativ isoliert von der westlichen Zivilisation in venezolanisch-brasilianischen Grenzgebiet in der Nähe der Flüsse Orinoco, Río Caura und Amazonas leben. Die Volksgruppe der Yanomami lebt völlig isoliert von der westlichen Zivilisation. Sie sollen sich hauptsächlich von Maniok sowie Ess- und Kochbananen ernähren, zudem von kleineren Tieren, die sie bei der Jagd erbeuten. Die Yekuana haben über Missionen und einen nahegelegenen Flugplatz für kleine Flugzeuge Kontakt zur westlichen Zivilisation - und damit auch zur westlichen Ernährungsweise (verarbeitete Nahrungsmittel, Salz).

Design

Längsschnitt-Studie mit Mitgliedern der Yanomami (n = 72) und Yekuana (n = 83) in einem Alter von einem Jahr bis zu 60 Jahren. 

Hauptergebnisse

Bei den Mitgliedern beider Volksgruppen waren die Blutdruck-Werte auffallend niedrig. Die niedrigsten Werte hatten díe Yanomami. Bei ihnen betrugen sie systolisch im Mittel 95,4 und diastolisch 62,9 mmHg, bei den Yekuana 104,0 und 66,1 mmHg.

Die  Analyse des Blutdrucks in  Abhängigkeit vom Altern ergab bei den Yanomami konstant bleibende Werte, bei den Yekuana hingegen einen schon ab dem Kindesalter zunehmenden systolischen Wert  (pro Jahr 0,25 mmHg). Bei zehnjährigen Kindern betrug die Differenz schon 5,8 mmHg; bei den 50-jährigen Yanomami war der Wert dann sogar schon um 15,9 mmHg höher als bei den gleichaltrigen Yekuana

Klinische Bedeutung

Die Studie bestätigt, wie notwendig es offenbar ist, bereits bei Kindern auf eine Lebensweise zu achten, die kardiovaskulären Risikofaktoren wie hohem Blutdruck vorbeugen kann. Die Studie spricht zudem dafür, im Kampf gegen die Hypertonie ebenso wie etwa bei der Adipositas nicht allein auf so genannte Patienten-zentrierte Strategien zu setzen, sondern auch auf Strategien gegen jene „Umwelt-Faktoren“ der „zivilisierten Welt“, die die Entwicklung eines hohen Blutdrucks fördern, etwa Lärm, Luftschadstoffe und auch eine urbane Umgebung, die Bewegungsmangel und Übergewicht begünstigt.

Finanzierung: National Heart, Lung, and Blood Institute of the National Institutes of Health, Alfred P.Sloan Foundation, C&D Fund und Emch Fund for Microbial Diversity