Zucker macht nicht munter, sondern eher matt


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Kohlenhydrate heben nicht die Stimmung. Möglicherweise mindern sie sogar Wachheit und verstärken Fatigue. Für die in der Werbung angepriesenen Effekte von zuckerhaltigen Getränken gibt es einer aktuellen Studienanalyse zufolge keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege.

Hintergrund

Zuckerhaltige Softdrinks tragen bei vielen Menschen erheblich zur Energieaufnahme bei - und damit womöglich auch zur Entwicklung von Übergewicht, Fettleber und Diabetes mellitus. Als ein Grund für die Beliebtheit solcher Getränke werden unter anderen Marketing-Botschaften angesehen, nach denen die Getränke angeblich Müdigkeit vertreiben und Tatkraft sowie gute Stimmung fördern. Da Kohlenhydrate bzw. Zucker Hauptinhaltsstoffe solcher Getränke sind, haben sich Wissenschaftler mit dem Zusammenhang von Kohlenhydraten und geistiger Leistungskraft und Wohlbefinden befasst. 

Design

Metaanalyse von 31 Studien mit 1259 Teilnehmern; untersucht wurde der Zusammenhang zwischen Kohlenhydrat-Konsum und ganz allgemein Stimmung, wobei konkret der Zusammenhang zu Wachheit, Ausgeglichenheit, Zufriedenheit, Depression, Angst, Feindseligkeit, Verwirrtheit und auch Fatigue analysiert wurde. Dabei wurde der mögliche Einfluss zu verschiedenen Zeitpunkten nach dem Konsum der Kohlenhydrate untersucht: 0 bis 30 Minuten sowie 31 bis 60 Minuten danach und auch mehr als 60 Minuten nach dem Konsum. 

Hauptergebnisse

Ein Zusammenhang zwischen Kohlenhydrat-Konsum und Stimmung insgesamt sowie einzelnen „Stimmungs-Konstrukten“ wurde nicht festgestellt - mit einer Ausnahme: 0 bis 60 Minuten nach dem Konsum gaben Teilnehmer, die Kohlenhydrate konsumierten, im Vergleich zu Teilnehmern mit Placebo stärkere Fatigue-Werte an; auch beim Parameter Wachheit schnitten sie schlechter ab. Die Untersuchungen ergaben auch keine Belege für positive Stimmungs-Effekte mehr als 60 Minuten nach dem Kohlenhydrat-Konsum. 

Klinische Bedeutung

Nach Angaben der Autoren liefert die Metaanalyse keine Belege für einen Zusammenhang zwischen Kohlenhydrat-Konsum und Stimmung; die Untersuchung der möglichen Langzeit-Effekte, die ebenfalls keinen Zusammenhag ergab, spricht nach Angaben der Autoren auch gegen die Annahme, dass Serotonin hier eine Rolle spiele. 

Einen Beleg für einen Effekt bzw. Zusammenhang fanden die Forscher nur für einen Negativ-Effekt, und zwar für die Zunahme der Fatigue nach Kohlenhydrat-Konsum - ein Befund, der für die Aufklärung der Bevölkerung über die gesundheitlichen Effekte von Zucker und zuckerhaltigen Getränke genutzt werden könnte.

Finanzierung: Universität von Warwick