Zirkulierende Tumorzellen bei Brustkrebs: aussagekräftig für Spätrezidiv-Risiko


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Finden sich im Blut von Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs nach Behandlung mit kurativer Intention noch Jahre später zirkulierende Tumorzellen, so weist dieser Befund auf ein deutlich erhöhtes Risiko für ein Spätrezidiv hin.

Hintergrund
 

Das Mammakarzinom ist weltweit das häufigste Malignom der Frau. Trotz Verbesserungen in der Früherkennnung steht Brustkrebs in westlichen Ländern bei den Krebstodesraten von Frauen an erster Stelle, auch in Deutschland. „Liquid biopsy“, die Analyse von Körperflüssigkeiten wie Blut oder Plasma auf tumorassoziierte Moleküle oder maligne Zellen, wird derzeit intensiv erforscht, um die Subtypisierung von soliden Tumoren, die Abschätzung d e r Prognose und das Monitoring zu verbessern. Erstmals ist im Rahmen einer großen prospektiv randomisierten Studie die Bedeutung zirkulierender Tumorzellen für die Vorhersage eines Spätrezidivs prospektiv untersucht worden. Primäres Ziel der Studie war, die Wirksamkeit von systemischen adjuvanten Therapien beim Mammakarzinom zu vergleichen.

Design

  •  prospektive Sekundäranalyse auf zirkulierende Tumorzellen (CTC) 4,5 bis 7,5 Jahre nach primärer Brustkrebsdiagnose (≥ 1 Tumorzelle/7,5 mL Blut; CellSearch TM)
  • Einschluss von 547 Frauen mit Her2-negativem Mammakarzinom (Her2-) im Stadium II-III, die in kurativer Intention operiert worden waren und wegen erhöhten Rückfallrisikos wie einem Lymphknotenbefall eine systemische Therapie erhielten
  • die Teilnehmerinnen der prospektiv randomisierten Phase-3-Studie wurden nach der Chemotherapie randomisiert worden in eine Gruppe, die ein Taxan plus Bevacizumab erhielt, und eine zweite Gruppe mit einem Taxan plus Placebo
  • das CTC-Testergebnis wurde weder den Patientinnen, noch den Ärzten mitgeteilt, da vor Abschluss der Studie die prognostische Relevanz des Testergebnisses unklar war

Hauptergebnisse

18 Frauen von 353 mit Hormonrezeptor-positivem (HR+) Brustkrebs hatten einen positiven CTC-Befund 4,5 bis 7,5 Jahre nach Diagnose (5,1 %). 23 der Frauen mit HR+ Malignom erlitten einen Rückfall. Bei 7 dieser 23 Patientinnen war der CTC-Test schon vor einem klinischen Befund positiv. Die Rückfallrate lag bei den CTC-positiven Teilnehmerinnen bei 21,4 % und bei den CTC-negativen Frauen bei 2,0 %. Nach einer multivariaten Regressionsanalyse ergab sich beim Nachweis von CTC ein um dem Faktor 13,1 erhöhtes Rückfallrisiko. Für Frauen mit HR-negativem Tumor war der CTC-Test in Bezug auf das Rückfallrisiko nicht aussagekräftig.

Klinische Bedeutung

Der Nachweis von zirkulierenden Tumorzellen bei Frauen mit potenziell kurativ behandeltem, Hormonrezeptor-positivem Mammakarzinom median 5 Jahre nach Diagnosestellung ist ein unabhängiger prognostischer Marker für ein erhöhtes Spätrezidiv. Nach Angaben der Autoren ist dies die erste prospektive Evaluierung eines Tests auf CTC im Rahmen einer großen Phase-3-Studie. Das Ergebnis der Studie liefere einen Beleg für das Konzept, dass sich mit Hilfe von liquid biopsy Patientengruppen mit erhöhtem Risiko für Spätrückfälle finden lassen, auch wenn die primäre Behandlung mit kurativem Ansatz erfolgt war.
 

Finanzierung: mehrere nationale Fonds der USA und Mittel der National Institutes of Health