Zervixkarzinom: Psychische Belastung ist mit einem höheren Sterberisiko assoziiert


  • Deepa Koli
  • Studien – kurz & knapp
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Kernaussage

Stressassoziierte Störungen und belastende Lebensumstände vor oder nach einer Krebsdiagnose erhöhen bei Patientinnen mit Gebärmutterhalskrebs für das krebsspezifische Sterberisiko. Dieser Zusammenhang ist unabhängig von den Eigenschaften des Tumors und der Behandlungsmethode.

Hintergrund

Es gibt zunehmend Belege dafür, dass psychologische Faktoren bei verschiedenen Krebsarten das Fortschreiten der Erkrankung beeinflussen. Unklar war bislang, inwiefern sich eine psychische Belastungssituation in einem Zeitraum vor oder nach der Diagnose eines Zervixkarzinoms auf das krebsspezifische Sterberisiko auswirkt.

 

Studiendesign

  • Kohortenstudie mit 4245 Patienten, bei denen zwischen 2002 und 2011 ein Zervikarzinom diagnostiziert wurde.

  • Es wurde erfasst, ob in einem Zeitraum von einem Jahr vor und nach der Diagnose eine psychische Belastung vorlag.

  • Als psychische Belastung wurden klinisch diagnostizierte Depressionen, Angststörungen, Stressreaktionen und Anpassungsstörungen, sowie belastende Lebensereignisse wie der Tod oder eine schwere Erkrankung von Familienmitgliedern, Scheidung sowie Arbeitslosigkeit gewertet.

 

Hauptergebnisse

  • 42,3% der Patientinnen hatte eine psychische Belastung durchlebt:

    • Stressassoziierte Störungen (Stressreaktion und Anpassungsstörungen, Depressionen, Angststörungen) 9,2%.

    • Belastende Lebenssituationen (Tod oder schwerwiegende Erkrankung eines Angehörigen, Scheidung, Arbeitslosigkeit) 37,4%.

  • Patientinnen, die einer erhöhten psychischen Belastung ausgesetzt waren, hatten ein signifikant höheres krebsspezifisches Sterberisiko (aHR, 1.26; 95% CI, 1.08-1.46) als Patientinnen ohne derartige Belastung. Dies galt nach Anpassung an Tumorstadium und Histologie, Jahr der Diagnose, Behandlungsmethode, Diagnosemethode und Komorbiditäten.

    • Das Risiko war bei stressassoziierten Störungen (aHR, 1.55; 95% CI, 1.20-1.99) und belastenden Lebenssituationen signifikant erhöht (aHR, 1.20; 95% CI, 1.02-1.41).

  • Der Zusammenhang war signifikant bei Patientinnen, bei denen die psychische Belastungssituation innerhalb eines Jahrs vor oder nach der Diagnose auftrat (aHR, 1.30; 95% CI, 1.11-1.52), jedoch nicht jenseits dieses Zeitraums.

 

Klinische Bedeutung

  • Das Erfassen und die Behandlung psychischer Belastungen könnte den Therapieerfolg bei Patientinnen mit Zervixkarzinom verbessern.

 

Limitierung

  • Beobachtungsstudie

 

Finanzierung

Swedish Cancer Society, Swedish Research Council for Health, Working Life, and Welfare und andere.