Zervixkarzinom: Hoch-Risiko-Papillomviren sind mit eher günstiger Prognose assoziiert


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Beim Zervixkarzinom ist der Nachweis von Hoch-Risiko-Papillomviren im Malignom mit einer günstigeren Prognose assoziiert als ein negatives Testergebnis: Das 5-Jahres-Krebsüberleben beträgt 74 % bei positivem hrHPV-Befund und 54 % bei negativem Testergebnis.

Hintergrund

Humane Papillomviren (HPV) sind Hauptauslöser des Zervixkarzinoms und werden sexuell übertragen. In Ländern mit gut etablierten Screeningprogrammen auf Zervixkarzinome wie Deutschland liegt der Anteil der in frühen Stadien erkannten Erkrankungen vergleichsweise hoch. In Deutschland beträgt er mehr als 50 %. Dennoch stirbt circa jede dritte Frau im Verlauf von 5 Jahren nach der Diagnose eines invasiven Zervixkarzinoms am Tumor (1). Biomarker, die helfen, die Prognose besser abzuschätzen, können wichtig sein für die Therapieentscheidung. In einer nationalen, populationsbasierten Kohortenstudie in Schweden ist die Bedeutung von Hoch-Risiko-Papillomviren (hrHPV) für die Prognose untersucht worden (2).

Design

  • Studienpopulation: 4.254 Frauen mit gesichertem Zervixkarzinom und Erstdiagnosen in den Jahren 2002 bis 2011
  • Untersuchung auf HPV: PCR an Formalin-fixiertem Tumorgewebe in Paraffinblöcken
  • Klassifikation der PCR-Analyse-Ergebnisse:
    • positiver Befund: nur hrHPV+ Gewebe (13 HPV-Typen inklusive HPV 16 und 18) oder hrHPV+ plus HPV mit niedrigem Risiko
    • negativer Befund: nur HPV mit niedrigem Risiko (24 HPV-Typen) oder keine HPV-DNA nachweisbar
  • Zahl der auswertbaren Fälle: 2.845
  • Primärer Endpunkt: Überleben bis zum Dezember 2015

Hauptergebnisse

hrHPV-DNA wurde bei mehr als 80 % der Zervixkarzinome mit auswertbarem Material gefunden. 36 % der Teilnehmerinnen (Gesamtgruppe) waren bei Diagnose 60 Jahre alt oder älter, die übrigen jünger. hrHPV+ Tumore wurden häufiger durch Screening entdeckt als hrHPV-, die Frauen waren jünger und hatten einen höheren sozioökonomischen Status. 40,7 % der Tumoren waren maximal im Stadium 1B.

Die relativen 5-Jahres-Überlebensraten betrugen bei hrHPV+ Tumoren 74 % und bei hrHPV— Karzinomen 54 %. Das Risiko für einen krebsbedingten Tod in diesem Zeitraum lag bei hrHPV+ Tumoren um 39 % unter dem von hrHPV- Tumoren, und zwar nach Berücksichtigung aller potenziell relevanten Einflussfaktoren wie Alter, Tumorstadium, Tumortyp oder sozioökonomischem Status (adjustierte Exzess-Hazard Ratio: 0,61). Der Unterschied waren statistisch signifikant.

Klinische Bedeutung

Der Nachweis von hrHPV in invasiven Zervixkarzinomen ist ein zusätzlicher prognostischer Biomarker, der die etablierten Prognosefaktoren ergänzen könne, schlussfolgern die Autoren. Ein Hochrisiko-HPV-Status lasse sich mit Routinemethoden feststellen. Die biologischen Mechanismen, die dem Zusammenhang mit der Prognose zugrunde liegen, seien noch ungeklärt.

Finanzierung: Nationale Förderung