Zerebrale Mikroblutungen nach Schlaganfall: trotzdem ASS & Co.

  • Lancet Neurology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Patienten, die gerade einen ischämischen Schlaganfall oder eine TIA erlitten haben, sind zerebrale Mikroblutungen mit einem höheren relativen Risiko für intrakranielle Blutungen als für erneute ischämische Schlaganfälle verbunden. Das absolute Risiko für einen ischämischen Schlaganfall ist jedoch immer größer, unabhängig auch von der Gesamtzahl der Mikroblutungen.

Hintergrund

Treten bei Patienten, die gerade einen ischämischen Schlaganfall oder eine TIA erlitten haben, zerebrale Mikroblutungen auf, stellt sich die Frage, ob eine plättchenhemmende Therapie fortgesetzt werden kann oder wegen zu großer intrakranieller Blutungsgefahr, auf die die Mikroblutungen hinweisen, beendet bzw. vermieden werden sollte. Die Autoren der vorliegenden Studie haben daher untersucht, ob Mikroblutungen mit einem absoluten Risiko für intrakranielle Blutungen einhergehen, das höher ist als das absolute Risiko eines erneuten ischämischen Schlaganfalls.

Design

Gepoolte Analyse von 38 Kohorten-Studien mit 20.322 erwachsenen Patienten, die einen ischämischen Schlaganfall oder eine TIA erlitten haben (über 35.000 Patienten-Jahre, mediane Beobachtungsdauer 1,34 Jahre). Der primäre Endpunkt setzte sich zusammen aus symptomatischen intrakraniellen Blutungen und ischämischen Schlaganfällen). Verglichen wurden Patienten mit und ohne zerebrale Mikroblutungen. 

Hauptergebnisse

Bei Mikroblutungen betrug die adjustierte Hazard Ratio (HR) 

  • für den kombinierten Endpunkt aus intrakranieller Blutung  und ischämischem Schlaganfall 1,35 (95% CI 1,20–1,50)
  • für intrakranielle Blutungen 2,45 (1,82–3,29) und
  • für ischämische Schlaganfälle 1,23 (1,08–1,40).

Mit der Zahl der Mikroblutungen stieg insbesondere die adjustierte HR für intrakranielle Blutungen, weniger stark für ischämische Schlaganfälle; bei mindestens 5 Mikroblutungen betrug die adjustierte HR (aHR) für intrakranielle Blutungen 4,55, für ischämische Schlaganfälle 1,47; bei mindestens 20 Mikroblutungen ergaben die Berechnungen eine aHR für intrakranielle Blutungen von 8,61 versus 1,86.

Unabhängig von der Zahl der Mikroblutungen war die Rate der ischämischen Schlaganfälle stets höher als die der intrakraniellen Blutungen. Bei mindestens zehn Mikroblutungen kamen auf 1000 Patienten-Jahre 64 ischämische Schlaganfälle und 27 intrakranielle Blutungen, bei mindestens 20 Mikroblutungen waren es 73 ischämische Schlaganfälle pro 1000 Patienten-Jahre und 39 intrakranielle Blutungen.

Klinische Bedeutung

Das wichtigste Ergebnis der Studie ist, dass das absolute Risiko für einen ischämischen Schlaganfall bei diesen Patienten immer größer ist als das Risiko für eine intrakranielle Blutung, und zwar unabhängig von der Menge der zerebralen Mikroblutungen. Obgleich es sich nur um Daten aus Kohorten-Studien handelt, sprechen die Ergebnisse sprechen dafür, bei diesen Patienten die Therapie mit Thrombozytenaggregations-Hemmern nicht zu beenden. Auch eine weitere aktuelle Studie (RESTART) liefert keine Argumente dafür, bei Patienten mit ischämischem Schlaganfall in der Vorgeschichte und zerebralen Mikroblutungen eine plättchenhemmende Behandlung zu beenden. Hauptergebnis dieser Studie ist, dass bei Patienten mit intrakranieller Blutung der Therapiestart mit Plättchenhemmern sicher ist. Die Wiederaufnahme dieser Behandlung geht dieser Studie zufolge sogar mit einer deutlichen Reduktion  des Risikos für erneute intrakranielle Blutungen einher. 

Finanzierung: British Heart Foundation, UK Stroke Association.