Zerebrale kavernöse Fehlbildungen: Gerinnungshemmer vielleicht sogar ein Blutungsschutz

  • Lancet Neurology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Auch Patienten mit zerebralen kavernösen Malformationen können Antikoagulanzien oder Thrombozyten-Aggregationshemmer erhalten. Entgegen den Erwartungen schützen solche Wirkstoffe diese Patienten vielleicht sogar vor intrakraniellen Blutungen.

Hintergrund

Patienten mit zerebralen kavernösen Fehlbildungen erhalten oft keine Antikoagulanzien oder Thrombozyten-Aggregationshemmer, weil befürchtet wird, dass so das zerebrale Blutungsrisiko verstärkt wird. In der vorliegenden Studie wurde nun geprüft, ob diese Sorge begründet ist.

Design

Bevölkerungsbasierte Kohorten-Studie mit Daten eines schottischen Registers zu intrakraniellen vaskulären Fehlbildungen;  berücksichtigt wurden mindestens 16 Jahre alte Patienten, bei denen zwischen 1999 und 2003 sowie 2006 und 2010 eine zerebrale kavernöse Malformation diagnostiziert worden war. Untersucht wurde bei ingesamt 300 Patienten prospektiv der Zusammenhang zwischen einer antithrombotischen Therapie (Antikoagulanzien und Plättchenhemmer) und intrakraniellen Blutungen während einer Beobachtungszeit von bis zu 15 Jahren (im Mittel 11,6 Jahren). Zudem führten die Autoren eine systematische Literaturrecherche und Metaanalyse durch. 

Hauptergebnisse

  • Von den 300 Patienten mit Kavernom wurden 61 mit antithrombotischen Wirkstoffen behandelt.  Die mittlere Behandlungsdauer betrug 7,4 Jahre.
  • Die Berechnungen ergaben für Patienten mit antithrombotischer Therapie ein geringeres Risiko für intrakranielle Blutungen oder fokale neurologische Ausfälle.
  • In der Gruppe mit Antithrombotika war 1 Patient betroffen, in der Gruppe ohne waren es 29 von 239. Die Berechnungen ergaben eine adjustierte HR von 0,12, 95% CI 0,02–0,88; p=0,037).
  • Eine Metaanalyse von sechs Kohortenstudien mit insgesamt  1342 Patienten ergab ebenfalls einen Zusammenhang der antithrombotischen Therapie mit einem geringeren Risiko für intrakranielle Blutungen (3% versus 14%); Inzidenzraten-Verhältnis 0,25 (95% CI 0,13–0,51; p

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die antithrombotische Therapie für Patienten mit zerebralen kavernösen Fehlbildungen sicherer sein könnte als der Verzicht auf eine solche Therapie. Da allerdings Kohorten-Studien ausgewertet wurden, sollten die Ergebnisse nicht überbewertet werden. Es fehlen noch  Belege durch randomisierte und kontrollierte Studien. Da die Zahl der Menschen steigt, bei denen eine Indikation für eine antithrombotische Therapie besteht, sind solche Studien sicher wünschenswert. Antithrombotika seien bei Patienten mit Kavernomen vermutlich sicher und könnten daher insbesondere bei den Patienten eingesetzt werden, die asymptomatisch seien oder invasiv nicht behandelt werden könnten, heißt es dazu in einem begleitenden Kommentar

Finanzierung: Schottischer Staat, UK Medical Research Council,The Stroke Association  Cavernoma Alliance UK, und die Remmert Adriaan Laan Foundation.