Zelltherapie nach Nierentransplantation reduziert immunsuppressive Therapie

  • Lancet

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Obwohl die Nierentransplantation ein breit angewendetes Routineverfahren ist, sind die langfristigen Ergebnisse teils unbefriedigend. Mit einer neuartigen Zelltherapie kann die immunsuppressive Behandlung bei rund jedem Vierten Patienten nach Nierentransplantation reduziert und Nebenwirkungen wie Virusinfektionen vermieden werden. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Studie, die jüngst im Fachmagazin The Lancet erschienen ist.

Vermehrung von Immunzellen außerhalb des Körpers

Um die Abstoßung von Spenderorganen nach der Transplantation zu verhindern, werden üblicherweise Immunsuppressiva zur Unterdrückung des Immunsystems eingesetzt. Eine spätere Abstoßung kann jedoch nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Hinzu kommen oft starke Nebenwirkungen wie Unverträglichkeiten, Infektionen oder andere Erkrankungen. Bei der Zelltherapie werden stattdessen bestimmte Immunzellen außerhalb des Körpers vermehrt und dann zur Infusion bei Organempfängern verwendet, um auf diese Weise eine selbsterhaltende Immunregulation wiederherzustellen.

Zelltherapie versus Immunsupression

In der so genannten „ONE-Studie“ haben Wissenschaftler des internationalen Forschungsverbunds die Sicherheit und Wirksamkeit der Zelltherapie bei Nierentransplantationen sowie den Einfluss auf das Immunsystem getestet. In mehreren Zentren weltweit wurden hierfür verschiedene regulatorische Zellprodukte mit einem standardisierten Protokoll entwickelt und dann in getrennten klinischen Studien untersucht, heißt es in einer Mitteilung der Charité.

Die Zelltherapien, die bei Patienten vor oder nach einer Nierentransplantation angewendet wurden, umfassten laut den Forschern regulatorische T-Zellen und Makrophagen sowie dendritische Zellen, die entzündungshemmende Botenstoffe produzieren. Die Ergebnisse der einzelnen Studien wurden dann mit einer Gruppe von Patienten verglichen, die eine Standardbehandlung mit Immunsuppressiva erhielten. Die Patienten wurden über weitere 60 Wochen betreut und untersucht.

Immunsupressive Behandlung bei 40 Prozent der Patienten vermindert

„Mit der neuen Zelltherapie konnte die immunsuppressive Behandlung in etwa 40 Prozent der Patienten vermindert und so das Risiko für Nebenwirkungen minimiert werden“, sagt die Erstautorin der Studie, Prof. Dr. Birgit Sawitzki vom Institut für Medizinische Immunologie am Campus Virchow-Klinikum. Zugleich erwiesen sich die regulatorischen Zellen als eine ebenso sichere Behandlung wie die üblichen Medikamente und führten nicht häufiger zu akuten Abstoßungen. Besonders beeindruckend sei, dass keiner der Patienten nach Verabreichung der regulatorischen Zellen an einer Infektion mit gefährlichen Herpesviren erkrankte, die nach einer Transplantation oft zu Komplikationen führen.

„Es bestehen damit neue, sichere Therapiemöglichkeiten, mit denen die Dosierung der üblichen immunsuppressiven Medikamente reduziert und das Risiko von Virusinfektionen gesenkt werden kann", resümiert Sawitzki. Weitere größere Studien sollen folgen, um die Wirksamkeit der regulatorischen Zelltherapie zu bestätigen.