Zehn Sekunden: Schnelles Abnabeln erhöht bei Frühgeborenen das Risiko für schwere Morbidität nicht


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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binnen 10 Sekunden Vor- oder Nachteile überwiegen.

Kernbotschaften

Kinder, die vor der 30. Schwangerschaftswoche geboren werden, können rasch abgenabelt werden, ohne dass sich dadurch das Risiko für schwere Erkrankungen innerhalb von 6 Wochen erhöht.

Hauptergebnisse

Von 1 566 vor der 30. Schwangerschaftswoche lebend geborenen Kindern wurden 782 binnen 10 Sekunden nach der Geburt abgenabelt und 784 nach frühestens 60 Sekunden.

Die mediane Zeit bis zum Durchtrennen der Nabelschnur betrug 5 Sekunden bei schnellem Abnabeln und 60 Sekunden bei verzögertem. Im primären zusammengesetzten Endpunkt, Tod binnen 6 Wochen oder hohe Morbidität durch schwere Hirnschäden (intraventrikuläre Hämorrhagien), Sepsis, NEC, schwere Retinopathie oder Lungenerkrankung gab es keinen signifikanten Unterschied. 37 % in beiden Gruppen waren betroffen.

Allerdings starben 70 von 782 Kindern in der früh abgenabelten Gruppe, bei den verzögert abgenabelten waren es 50 von 784. Dieser Unterschied war mit P=0,03 signifikant. Die Studie habe allerdings nicht die statistische power, um einen von Zufallsverteilungen unabhängigen Unterschied in der Sterblichkeit zu belegen, so die Autoren.

Design

  • Prospektiv randomisierte Studie
  • Teilnehmer: 1 634 Kinder, bei denen eine Frühgeburt erwartet wurde
  • 1:1 Randomisierung in sofortiges oder verzögertes Durchtrennen der Nabelschnur
  • 1 566 lebend geborene Kinder (75 % Einlinge)
  • Durchschnittliche Schwangerschaft: 28 Wochen
  • Durchschnittliches Geburtsgewicht: 1 000 g
  • Entbindung zu 33 % durch Kaiserschnitt

Klinische Bedeutung

Ein Durchtrennen der Nabelschnur bei extrem frühreifen Kindern sofort nach der Geburt hatte im zusammengesetzten Studienendpunkt aus Frühmortalität und -morbidität keinen Nachteil für die Kinder. Beim Einzelkriterium Frühsterblichkeit allerdings gab es Unterschiede (8,9 % bei rascher Abnabelung, 6,4 % bei später). Nach Meinung der Autoren spricht das Studienergebnis nicht dafür, generell eine verzögerte Abnabelung zu empfehlen, wie es einige Fachgesellschaften tun. Es bedürfe aber weiterer Untersuchungen zur Klärung der Frage.