Wundmanagement mit kaltem Plasma beschleunigt den Heilungsprozess bei Diabetespatienten deutlich

  • JAMA Network Open

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Wird in ein Wundheilungsmanagement bei Diabetespatienten die Anwendung von atmosphärischem Kaltplasma (CAP) in die Therapie einbezogen, verkleinern sich die Wunden deutlich schneller als bei einer Standard-Wundversorgung. Dies ist erstmals in einer für die Patienten verblindeten, prospektiv randomisierten Studie belegt worden.

Hintergrund
Eine der häufigsten Ursachen chronischer Wunden ist das Diabetische Fußsyndrom. In Europa beträgt die durchschnittliche Prävalenz 5,1 % der Bevölkerung, in Deutschland wird sie auf 2-10 % geschätzt. In Deutschland ist Diabetes die Ursache von circa 85 % der kleineren Amputationen und von 64 % der größeren.

Die CAP-Therapie wird seit längerem im Wundmanagement erprobt. Plasma ist ein vierter Aggregatzustand von Materie, den Gas – in diesem Fall Argon - durch die Zufuhr von Energie durch ein elektrisches Feld annimmt. Es sind keine hohen Temperaturen dazu notwendig, daher die Bezeichnung „kaltes Plasma“. Das ionisierte Gas führt zu einer Tiefenstimulation der behandelten Haut- oder Wundfläche und verbessert unter anderem die Durchblutung des behandelten Hautareals.

Design

  • Einschlusskriterien: Patienten mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes und mindestens 1 chronischen Wunde (diabetisches Fußulkus [DFU] seit ≥ 3 Wochen ohne relevante Reduktion von Tiefe und Durchmesser)
  • Randomisierung: stratifiziert nach Alter, Geschlecht und Raucherstatuts zu gleichen Anteilen in eine Gruppe mit Standardtherapie (moderne feuchte Wundbehandlung) plus Anwendung des Kaltplasma-Jet mit Argon (jeweils 30 Sek/cm2) oder Placebo (Kaltplasma-Jet ohne Erzeugung eines elektrischen Felds für dieselbe Zeit mit demselben Ton)
  • Dauer: insgesamt 8 Behandlungen, davon die ersten 5 an direkt aufeinanderfolgenden Tagen und die übrigen jeden zweiten Tag; Beurteilung des Ergebnisses bei der 9. Visite an Tag 14
  • Primärer Endpunkt: Reduktion des Durchmessers der Wunden, klinische Symptome und Zeichen einer lokalen Infektion
  • Teilnehmer: 45 Diabetespatienten mit einem Durchschnittsalter von 68,5 Jahren und insgesamt 65 Fußulcera

Hauptergebnisse

  • Von 45 Teilnehmern ging der Verlauf von 62 Wunden (31 Wunden pro Gruppe) in die finale Studienauswertung ein.
  • Beide Behandlungsformen waren wirksam.
  • Bei der letzten Visite nach 14 Tagen war der Wundbereich unter der CAP-Therapie auf 30,5 % der ursprünglichen Ausdehnung reduziert und unter Placebo auf 55,2 % der ursprünglichen Ausdehnung (p = 0,03).
  • Auch die Dauer bis zu einer klinisch relevanten Reduktion der Wundausdehnung (mindestens -10 %) war unter CAP deutlich verkürzt, nämlich auf die Hälfte der für dieses Ziel erforderlichen Tage (p = 0,009). In der Placebogruppe betrug die Reduktion 44,8 Prozent.
  • In Bezug auf die Infektionshäufigkeit gab es dagegen keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen beiden Gruppen.
  • Die CAP-Therapie hatte keine spezifischen Nebenwirkungen.

Klinische Bedeutung

Die CAP-Therapie bewirkt bei Diabetes-Patienten eine schnellere Wundheilung als die Standard-Wundversorgung; sie ist eine effektive und nebenwirkungsfreie Behandlung.

Finanzierung: Neoplas Tools GmbH