Wundinfektionen durch "Ostseebakterium": Pathogenitätsfaktoren von Vibrio vulnificus identifiziert


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Das gramnegative Bakterium Vibrio vulnificus verursacht zunehmend häufig – weltweit, aber auch an deutschen Küstengewässern - Wundinfektionen bei Badenden mit teilweise schweren Nekrosen und Sepsis. Tödliche Krankheitsverläufe betreffen meist immunsupprimierte Menschen, aber die Z ahl der gemeldeten Infektionen bei Gesunden hat sich erhöht (1, 2). B egünstigen d dafür , dass sich die Vibrionen im Meerw asser rasch vermehren und Pathogenitätsfaktoren ausbilden, sind d ie durchschnittlich steigende n Wassertemperaturen der Meere. Nun sind Pathogenitätsfaktoren identifiziert worden, die V. vulnificus vor allem für die Infektion von Gesunden benötigen, d arunter ein hoch effektives eisenbindendes System (1). Die Identifizierung der  Pathogentitätsfaktoren soll es ermöglichen, neue therapeutische Strategien zu entwickeln .

Hintergrund
In den 80er Jahren waren in den Anrainerstaaten der Ostsee Infektionen mit Vibrio vulnificus eine große Seltenheit, seit der Jahrtausendwende aber werden zunehmend Fälle gemeldet, circa 30 pro Jahr. Die Anzahl dürfte Schätzungen weit darüber liegen, da die Infektionen in vielen Ländern, darunter Deutschland, nicht meldepflichtig sind. Im August diesen Jahres (Stand: 15.08.2019) meldet das European Center for Disease Control (ECDC) für die Ostsee-Anrainer inklusive Deutschland ein mittleres Risiko für Infektionen mit V. vulnificus (aktueller Score: 9-11; Skala 0-16: sehr geringes - sehr hohes Risiko; [3]). Ab einer Meereswassertemperatur von 13 ° C kann sich das Bakterium gut vermehren, Temperaturen ab 20 ° C sind ideal. Die Mortalität von Menschen nach Infektion liegt bei circa 17 Prozent. Der Klimawandel wird den Prognosen auch des ECDC zufolge die Ausbreitung des Bakteriums weiter fördern.

Design

  • Entwicklung eines Mausmodells zur Identifikation von Virulenzfaktoren von V. vulnificus (1)
  • Genetische Selektion über die „signature tagged“ Mutagenese, ein Verfahren zur negativen Selektion von aeroben Bakterien

Hauptergebnisse
Unabdingbar für Wundinfektionen bei gesunden Tieren waren die Expression von Faktoren für die

  • Flagellen-vermittelte Motilität,
  • ausgeprägte Kapsel-Polysaccharid-Produktion,
  • hoher Lipopolysaccharid-Gehalt und die
  • Expression eines sehr effektiven eisenbindenden Systems (Siderophore).

Klinische Bedeutung
Die in der Studie identifizierten Pathogenitätsfaktoren, die bei einem optimalen Wachstum der Vibrionen zusammenwirken, bieten nach Aussagen der Autoren Ansatzpunkte, um antibiotische Therapien weiterzuentwickeln. Wegen des fulminanten Verlaufs ist es entscheidend, frühzeitig eine Antibiose einzuleiten. Die Landesämter für Gesundheit von Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern raten, Ärzte sollten in allen Teilen Deutschlands bei Patienten, die gerade vom Meer zurückgekehrt sind und entsprechende Symptome aufweisen, an eine mögliche Vibrionen-Infektion denken. Therapie-Optionen sind für Erwachsene die Kombination aus einem Tetracyclin mit einem Cephalosporin der dritten Generation oder alternativ ein Fluorchinolon. Schon kleine Läsionen könnten als Eintrittspforte für die Vibrionen ausreichen. Anfang August war eine Patientin nach dem Baden in der Ostsee an einer Infektion mit V. vulnificus gestorben.

Finanzierung: keine Angaben