Worauf beim Impfen von Rheumapatienten zu achten ist

  • Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Rheumapatienten sollten an allen empfohlenen Impfungen teilnehmen, so der ärztliche Rat. Häufig bestehen jedoch große Unsicherheiten in der richtigen Anwendung. Das gilt vor allem bei Patienten, die eine immunsuppressive Therapie erhalten, oder im Umgang mit Lebendimpfstoffen. Eine Expertengruppe mit Mitgliedern der zuständigen Fachgesellschaften, des Robert Koch-Instituts (RKI) und der Ständigen Impfkommission (STIKO) hat kürzlich Anwendungshinweise veröffentlicht. Darauf machte jüngst die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e. V. (DGRh) in einer Mitteilung aufmerksam.

Unbedingt impfen bei rheumatischen Erkrankungen

Rheumapatienten haben ein erhöhtes Risiko für Infektionskrankheiten sowie für die damit einhergehenden Komplikationen und sind daher besonders auf Schutzimpfungen angewiesen. Das gilt nicht nur für ältere Menschen mit oder Psoriasis-Arthritis. Auch jüngere Menschen, zum Beispiel mit Morbus Bechterew, sollten darauf achten, dass sie alle für Kinder und Jugendliche vorgesehenen Impfungen erhalten haben, betont die DGRh in einer Mitteilung.

Allerdings, so das Dilemma, ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Impfung bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen nicht immer gegeben. „Das Problem ist, dass die Wirkung einer Impfung auf ein intaktes Immunsystem angewiesen ist“, sagt DGRh-Präsident Professor Dr. Hendrik Schulze-Koops, „Es muss die Antikörper bilden, die später vor einer Infektion schützen.“ Noch schwieriger wird es bei Patienten, die immunsuppressive Arzneimittel erhalten, was heute bei den meisten Autoimmunkrankheiten der Fall ist. So erhält die Mehrzahl der Patienten beispielsweise Basistherapeutika wie Methotrexat (MTX), die eine Progression der Erkrankung verhindern sollen. Bei schubartigem Krankheitsverlauf werden zudem häufig Glukokortikoide eingesetzt.

Vorsicht bei Biologika

„Ob Patienten, die mit Immunsuppressiva behandelt werden, geimpft werden dürfen, hängt in erster Linie vom Impfstoff ab“, unterstreicht die Fachgesellschaft. Totimpfstoffe können nach Einschätzung eines interdisziplinären Expertenteams bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen meist bedenkenlos eingesetzt werden. Dazu zählen Impfstoffe gegen Pneumokokken, Hepatitis B, Meningokokken, Herpes zoster, humane Papillomaviren (HPV) sowie die Grippeimpfstoffe mit Ausnahme  des Impf-Nasensprays, das in der Regel nur bei Kindern eingesetzt wird.

Bei einigen stark wirkenden Immunsuppressiva kann die Fähigkeit des Immunsystems zur Antikörperbildung jedoch soweit eingeschränkt sein, dass keine Schutzwirkung erzielt wird“, gibt Schulze-Koops zu bedenken. Dazu gehören vor allem Biologika wie Rituximab oder Abatacept. Die Experten raten daher, notwendige Impfungen möglichst vor Behandlungsbeginn durchzuführen.

Risiko Lebendimpfstoff

Zur Vorsicht ermahnt die DGRh indessen beim Einsatz von Lebendimpfstoffen, die abgeschwächte Krankheitserreger enthalten. „Das Immunsystem gesunder Menschen kommt damit gut zurecht“, sagt Professor Schulze-Koops. Bei abwehrgeschwächten Menschen könne es jedoch zu einer Infektion kommen. Mit Lebendimpfstoffen wird heute gegen Masern-Mumps-Röteln (MMR-Impfung), gegen Gelbfieber und gegen Rotaviren geimpft. Der ältere Zosterimpfstoff wurde kürzlich durch einen Totimpfstoff Shingrix® abgelöst.

Insgesamt sieht das Expertengremium aber auch bei Lebendimpfstoffen kein Problem. Denn üblicherweise werden diese Impfungen in den ersten Lebensjahren gegeben. Sie sind also in der Regel vor Auftreten einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung abgeschlossen.