Wochenbettdepression: Metaanalyse bestätigt erhöhtes Risiko bei Schwangerschafts-Diabetes


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Schwangerschafts-Diabetes geht offenbar tatsächlich mit einem erhöhten Risiko für postpartale Depressionen einher.

Hintergrund

Die Prävalenzen des Gestations-Diabetes variieren nach Literaturangaben weltweit zwischen 1,9% und 25%. Eine Auswertung epidemiologischer Studien ergab bei 20- bis 49-jährigen Frauen eine durchschnittliche Prävalenz von 16,9%. In den letzten 15 Jahren ist die Prävalenz weltweit deutlich gestiegen. Dies liegt laut der S3-Leitlinie zum Gestations-Diabetes einerseits an der Veränderung der Screeningverfahren und Einführung neuer diagnostischer Grenzwerte, andererseits an der Zunahme wesentlicher Risikofaktoren (Alter der Mutter, Adipositas). Bis zu 15% aller jungen Mütter entwickeln nach der Entbindung eine postpartale Depression (PPD), bei der die Gefahr besteht, dass sich eine dauerhafte Depression oder Bindungsstörungen zum Kind entwickeln. 

Ob es einen Zusammenhang zwischen PPD und Gestations-Diabetes gibt, ist bereits in mehreren Studien untersucht worden. Die Ergebnisse seien allerdings widersprüchlich, so die Autoren der vorliegenden Metaanalyse.

Design

Metaanalyse von 18 Beobachtungsstudien mit fast 2,4 Millionen Teilnehmerinnen. Elf Studien waren prospektive Studien, fünf retrospektive und zwei sogenannte Moment-Beobachtungen. Neun Studien stammen aus den USA, fünf aus Europa und vier aus Asien.

Hauptergebnisse

Die Analyse ergab ein erhöhtes Risiko für postnatale Depressionen bei Schwangerschafts-Diabetes. Das relative Risiko beträgt den Berechnungen zufolge 1,59 (95% CI: 1,22–2,07, p = 0,001). Ein statistisch signifikantes Resultat war auf die elf prospektiven Studien beschränkt.

Klinische Bedeutung

Ein Pluspunkt der Metaanalyse ist, dass es sich bei der Mehrheit der Studien um prospektive Studien handelte, allerdings um Beobachtungsstudien, bei denen immer die Gefahr der Verzerrungen besteht. Zudem basierte die Diagnose postpartale Depressionen in einigen Studien allein auf Angaben der Frauen. Aufgrund des signifikanten Zusammenhangs sprechen die Ergebnisse den Autoren zufolge dafür, Wöchnerinnen mit Schwangerschafts-Diabetes konsequent auf Depressionen zu untersuchen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft schließt sich dieser Empfehlung an.  

„Familie oder Umfeld bemerken die Depression nicht immer gleich, oder sie wird mit dem häufiger auftretenden `Baby-Blues´ verwechselt“, erläutert Professor Dr. Michael Hummel, Vorsitzender der AG Diabetes und Schwangerschaft der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in einer Mitteilung. „Denn bis zur Hälfte aller Wöchnerinnen sind von dieser kurz anhaltenden grundlosen Traurigkeit aufgrund einer hormonellen Umstellung nach der Geburt betroffen.“ Es sei daher wichtig, Patientinnen schnell zu identifizieren.

Finanzierung: keine Angaben