Wird Lisdexamfetamin abgesetzt, steigt das Rückfallrisiko bei Patienten mit Essstörungen stark an


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaft 

Klinisch bedeutsame und statistisch signifikante Reduktionen von Essattacken gehen verloren, wenn Responder auf den Wirkstoff Lisdexamfetamin ihr Medikament absetzen.

Hauptergebnisse

  • Der Anteil der Patienten, die die Kriterien für einen Rückfall erfüllten, betrug unter Lisdexamfetamin 3,7 % gegenüber 32,1 % für Placebo.
  • Eine mittlere oder mediane Zeit bis zum Rückfall ist aus den Studiendaten nicht zu entnehmen. Die Autoren haben stattdessen die Überlegenheit von Lisdexamfetamin mit einer Überlebenszeitanalyse (Log rank test) nachgewiesen: X12, 40,37; P<0,001.

Design

Multinationale, doppelblinde, Placebo-kontrollierte, Studie der Phase III zum randomisiertem Absetzen von Lisdexamfetamin verglichen mit fortgesetzter Einnahme über ein halbes Jahr. In einer vorausgehenden 12-wöchigen Open-label Phase waren unter 418 Patienten 275 Responder selektiert worden. Gemessen wurde die Zeit bis zum Rückfall, definiert als mindestens 2 Essattacken während 2 aufeinander folgenden Wochen und ein Anstieg auf der 7 Punkte umfassenden Clinical Global Impressions-Severity (CGI-S)-Scores um mindestens 2 Punkte.

Klinische Bedeutung

Lisdexamfetamin ist ein synthetisches Amphetamin, das in Deutschland indiziert ist zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, die nicht auf Methylphenidat ansprechen. Für die in den USA und Kanada bereits bei Essattacken (Binge-Eating) zugelassene Substanz konnte zuvor bereits eine Reduktion der Essattacken nachgewiesen werden. Die neue Studie zeigt nun, dass die anhaltende Einnahme von Lisdexamfetamin Rückfälle über mindestens ein halbes Jahr hinweg signifikant besser reduzieren kann als Placebo.