Wird das Antibiotikum wirken? Schnelltest gibt Auskunft innerhalb von zwei Stunden


  • Susanne Kressenstein
  • Medizinische Nachrichten
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Resistente Bakterien breiten sich weltweit aus. Um den Einsatz von Antibiotika möglichst gering zu halten und Patienten den Einsatz womöglich unwirksamer Wirkstoffe zu ersparen, wird die schnelle Bestimmung möglicher Resistenzen immer wichtiger. Eine schnelle Bestimmung der Wirkung eines Antibiotikums würde dazu beitragen, Breitbandantibiotika künftig sparsamer einzusetzen und damit einer weiteren Verbreitung resistenter Bakterien entgegen zu wirken. Um die Dosis möglichst optimal an den Erregerstamm anzupassen, kommt auch der Erfassung der minimalen Hemmkonzentration eine immer größere Rolle zu.

Wissenschaftlern aus Jena ist es gelungen, eine schnelle und kostengünstige Alternative zur aktuellen mikrobiologischen Erregerdiagnostik zu entwickeln. Gefördert wurde das Projekt unter anderem von der Europäischen Union und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung. Mithilfe der neuen Methode werden in rund zwei Stunden die Bakterienstämme und deren Resistenzen auf Antibiotika inklusive der minimalen Hemmkonzentration ermittelt. Die Bereitstellung der Proben läuft schnell und unkompliziert ab. Standardverfahren benötigen mitunter 72 Stunden bis ein verlässliches Ergebnis vorliegt. Dies liegt unter anderem daran, dass die Bakterien erst mühsam vermehrt werden müssen, da sie zur Analyse in ausreichender Menge vorhanden sein müssen.

Nicht nur Intensivmediziner stehen vor einem besorgniserregenden Dilemma: „Viel zu oft müssen wir blind mit Breitspektrumantibiotika behandeln, da wir zunächst weder den Erreger noch eventuell vorhandene Resistenzen bestimmen können. Daher schießen wir unter Umständen mit Kanonen auf Spatzen. Ein Teufelskreis, der das Entstehen neuer Resistenzen begünstigt", erläutert Prof. Michael Bauer, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Jena.

Die Jenaer fixieren mittels elektrischer Felder die Bakterien in einem sehr kleinen Bereich. Dort kommen sie dann in Kontakt mit diversen Antibiotika in unterschiedlichen Konzentrationen. Die Untersuchung erfolgt mittels einer Raman-Spektroskopie. Darunter versteht man die spektroskopische Untersuchung der Streuung von Licht. Die Bakterien werden mit Laserlicht bestrahlt und anhand der Streuung des Lichts erkennen die Forscher, ob ein Erregerstamm sensibel oder resistent auf einen Wirkstoff reagiert. Die Untersuchungsmethode hat auch den Vorteil, dass sie Auskunft darüber gibt, wie hoch konzentriert das Antibiotikum eingesetzt werden muss.

In dem hier vorgestellten Ansatz wurde die minimale Hemmkonzentration von Ciprofloxacin auf 13 klinische Escherichia coli-Isolate ermittelt. Die Isolate stammten von Patienten mit Blutbahn-Infektionen. Die mit der neuen Methode ermittelten Werte stimmten mit den Referenzmethoden überein. „Ein derart schnelles Verfahren könnte die Diagnostik von Infektionskrankheiten revolutionieren“, meint dazu Prof. Dr. Bettina Löffler, Direktorin des Instituts für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Jena. Das Ziel ist die Weiterentwicklung zu einem Schnellsystem in der Hausarztpraxis.