Wieder einmal: Reduktionen bei Stickstoffdioxid und Feinstaub mit verringerter Asthmainzidenz assoziiert

  • JAMA

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Eine epidemiologische Studie bringt Verbesserungen der Luftqualität in Südkalifornien mit einer Verringerung von Asthma-Neuerkrankungen bei Kindern um annähernd 20 % in Verbindung.

Hintergrund

Luftschadstoffe sind als Ursache von Asthma-Exazerbationen bei Kindern anerkannt. Ob sie auch eine Rolle bei der Entstehung der Krankheit spielen, ist nach Angaben der Autoren jedoch unklar.

Design

Ziel der Studie war es zu überprüfen, ob mit der regionalen Abnahme der Konzentration von Luftschadstoffen in Südkalifornien auch die Inzidenz von Asthma bei Kindern zurückgeht. Dazu wurden die Daten aus 3 Stufen der Southern California Children´s Health Study herangezogen. Innerhalb der Kohorten waren insgesamt 4140 Kinder ohne Asthma-Vorgeschichte jeweils in den Jahren 1993 – 2001, 1996 – 2004 und 2006 – 2014 von der 4. bis zur 12. Klasse beobachtet worden. Der prospektiv ermittelten Asthma-Inzidenz wurden dann die mittleren jährlichen Konzentrationen von Ozon, Stickstoffdioxid und Feinstaub mit einer Partikelgröße unter 10 µm (PM10) bzw. unter 2,5 µm (PM2,5) gegenübergestellt, die im Anfangsjahr der jeweiligen Kohorten ermittelt worden waren.

Ergebnisse

  • Die Kinder waren durchschnittlich 9,5 Jahre alt, zu 52,6 % weiblich, 58,6 % weiß und 42,2 hispanisch. Unter ihnen fand man insgesamt 525 Asthma-Neuerkrankungen.
  • Für NO2 errechneten die Forscher ein Inzidenzratenverhältnis IRR von 0,80 (95%-Konfidenzintervall 0,71 – 0,90) für eine mediane Reduktion der NO2-Konzentration um 4,3 Milliardstel Volumenanteile (ppb). Umgerechnet entspricht das eine Abnahme der Inzidenzrate von 0,83 Fällen je 100 Personenjahren.
  • Beim Feinstaub ergab sich für PM2,5 ein IRR von 0,81 (95%-KI 0,67 – 0,98) für eine mediane Reduktion von 8,1 µg/m3. Umgerechnet entspricht das eine Abnahme der Inzidenzrate von 1,53 Fällen je 100 Personenjahren. Für PM10 fand sich ein IRR 0,93 je mediane Reduktion von 4,0 µg/m3, entsprechend einer Reduktion der absoluten Inzidenzrate um 0,46 Fälle / 100 Personenjahre.
  • Beim Ozon betrug die IRR 0,85 (95%-KI 0,71 – 1,02) für eine mediane Reduktion um 8,9 ppb, was einer Reduktion der absoluten Inzidenzrate von 0,78 / 100 Personenjahren entspricht.

Klinische Bedeutung

In der Diskussion um die Auswirkungen verschiedener Luftschadstoffe liefert diese Arbeit zum Thema Asthma einen wichtigen Beitrag. Der Schauplatz Los Angeles ist dafür besonders geeignet, denn dort wurde die Belastung durch NO2 zwischen 1993 und 2006 um mehr als 20 % gesenkt, die durch Feinstaub um mehr als ein Drittel. Die Auswertung zweigt nun signifikante Assoziationen mit der Abnahme der Asthma-Häufigkeit für NO2 und PM2,5, während für Ozon und PM10 lediglich ein Trend beobachtet wurde. Methodisch bedingt ist zwar kein Ursache-Wirkungs-Nachweis möglich, und zu bemängeln wäre auch, dass die Diagnose „Asthma“ nicht beim Arzt erfolgte, sondern von den Eltern per Fragebogen gestellt wurde. Zu berücksichtigen wäre auch, dass die Eltern in der frühen Kohorte mehr als doppelt so häufig Raucher waren, wie in der späten Kohorte. Die aufgezeigten Assoziationen und ihre Quantifizierung geben aber dennoch Anhaltspunkte, in welchem Umfang Maßnahmen zur Verbesserung der Atemluft die Asthmainzidenz bei Kindern senken könnten.

Finanzierung: National Institute of Environmental Health Sciences, National Heart, Lung, and Blood Institute, US Environmental Protection Agency, Hastings Foundation.