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Wie Zuckerkonsum die Lebenserwartung verkürzt – neue Erkenntnisse


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten

Kernaussagen

  • Übermäßiger Zuckerkonsum erhöht das Risiko für Stoffwechselstörungen und kann die Lebenserwartung verkürzen.
  • Wissenschaftler haben beobachtet, dass zumindest bei Drosophila ein gestörter Purinabbau für die verkürzte Lebenserwartung verantwortlich sein könnte.
  • Dieser Mechanismus könnte auch beim Menschen eine Rolle spielen

Es ist keine Neuheit, dass übermäßiger Zuckerkonsum als ungesund gilt. Er erhöht das Risiko für Stoffwechselstörungen wie Übergewicht und Diabetes und kann die Lebenserwartung verkürzen. Bisher gilt die Annahme, dass die verkürzte Lebenserwartung vor allem auf das Konto der Stoffwechselserkrankungen geht. Doch möglicherweise verhält sich die Sache anders. Ein Wissenschaftlerteam hat jetzt festgestellt, dass möglicherweise ein natürliches Abfallprodukt, die Harnsäure, verantwortlich zeichnet.

Taufliegen reagieren auf übermäßigen Zuckerkonsum ähnlich wie Menschen

Untersucht wurde dieser Zusammenhang zunächst bei Drosophila melanogaster. So wenig sich Taufliege und Mensch augenscheinlich gleichen: Übermäßiger Zuckerkonsum hat eine ganz ähnliche Wirkung auf die Tiere, wie es vom Menschen bekannt ist. Sie entwickeln Stoffwechselkrankheiten, also etwa Übergewicht und Insulinresistenz, und ihre Lebenserwartung ist verkürzt. Darüber hinaus kommt es zur Dehydrierung.

Die Wissenschaftler gaben ihren Laborfliegen zur süßen Diät zusätzlich Wasser. So gelang es, den lebensverkürzenden Effekt bei Drosophila aufzuheben. Dieser Befund gab den Anlass, das Nierensystem der Tiere genauer ins Visier zu nehmen. Es stellte sich heraus, dass sich in den Fliegen Harnsäure angesammelt und Nierensteine gebildet hatten. Dies lässt sich durch zusätzliche Gabe von Wasser vermeiden.

Gestörter Purin-Abbau als Problem

Die angesammelte Harnsäure ist ein Endprodukt des Purinabbaus. Die mit Zucker gefütterten Fruchtfliegen lebten zwar länger, wenn sie mehr Wasser bekommen, sie seien aber immer noch nicht gesund, wie die Wissenschaftler erklären. „Unsere Studie legt jedoch nahe, dass die Störung des Purin-Abbaus der bestimmende Faktor für die verkürzte Lebenszeit von Fliegen mit hoher Zuckeraufnahme ist. Das bedeutet, dass der frühe Tod durch Zucker nicht unbedingt eine direkte Folge der Fettleibigkeit selbst ist“, sagt Studienleiterin Helena Cochemé vom Imperial College in London.

Auch beim Menschen steigt der Harnsäurespiegel bei erhöhtem Zuckerkonsum. Das kann unter anderem auf den Beginn von Stoffwechselstörungen wie Diabetes hindeuten. Es ist daher denkbar, dass bei Homo sapiens ein ähnlicher Mechanismus zum Tragen kommt wie bei Drosophila melanogaster. „Es wird interessant sein, genauer zu untersuchen, wie die Ansammlung von Harnsäure durch erhöhten Zuckerkonsum mit Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes zusammenhängt und ob sie vielleicht sogar auch beim Menschen die Lebenserwartung direkt beeinflusst“, sagt Professor Christoph Kaleta, der mit seinem Team an der Universität Kiel den Einfluss von zuckerreicher Ernährung bei gesunden Menschen untersucht. „So könnten wir in Zukunft auch neue therapeutische Ziele und Strategien finden, die ein gesundes Altern fördern.“

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