Wie sich die Übertragungsraten von HIV in Gefängnissen reduzieren lassen


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussagen

  • Harm Reduction, also Schadensminimierung, ist ein zentraler Ansatz, um die Verbreitung von HIV und anderen Infektionskrankheiten in Gefängnissen einzudämmen.
  • Zu den wichtigen Maßnahmen gehören etwa Kondomausgabe, Opioid-Substitution, Vergabe von Einwegspritzen, aber auch zielgruppenspezifische Informationstools für Gefängnismitarbeiter und Gefangene.

Schadensminimierung reduziert Ansteckungsraten

Infektionskrankheiten wie HIV oder Hepatitis B/C sind in Gefängnissen oft überrepräsentativ häufig verbreitet. Oftmals geht dieses Problem mit einer Drogenabhängigkeit der Gefangenen einher. Wissenschaftler des Instituts für Suchtforschung der Frankfurt University of Applied Sciences untersuchten daher das Prinzip der Schadensminimierung (Harm Reduction) in diesem Zusammenhang. Dieses Vorgehen ist nach Ansicht von Projektleiter Heino Stöver ein zentraler Ansatz. „Harm Reduction ist der pragmatischste Ansatz gerade im Bereich der Drogenabhängigkeit, weil dieses Verhalten nicht über Nacht verändert werden bzw. aufgegeben werden kann", so Stöver. "Bis zur Aufgabe des Verhaltens braucht es Zeit, und bis dahin muss der Mensch ohne weitere gesundheitliche Schäden überleben können.“

 

Andere Länder andere Programme

Im Rahmen des Projekts wurde eine Situationsanalyse in verschiedenen EU-Ländern durchgeführt. Sie hat Unterschiede in der Versorgung zwischen den Ländern verdeutlicht und aufgezeigt, wo Handlungsbedarf besteht, bwz. welche Maßnahmen sich sinnvoll auf andere Länder übertragen lassen. So gibt es in tschechischen Gefängnissen Kondomausgabe durch Automaten – eine Maßnahme, die sich leicht in anderen Anstalten und in anderen Ländern etablieren lässt. Auch eine Weiterentwicklung der Opioid-Substitution sowie Vergabe von sterilen Einwegspritzen gehören demnach zu den sinnvollen Vorgehensweisen. Die einzelnen Strategien, die sich aus der Analyse ergaben, wurden in einer Best-Practice Sammlung zusammengestellt und erläutert (http://www.harmreduction.eu). „Die Projektergebnisse werden von vielen Justizministerien, Gefängnisbehörden und Nicht-Regierungsorganisationen für eine Reform der gesundheitlichen Versorgungsstrukturen von Gefangenen genutzt“, sagt Stöver.

Mehr Wissen für Gefängnisangestellte und Gefangene

Zu den Maßnahmen, die im Rahmen des Projekts entwickelt wurden, gehörten ausserdem auch E-Learning Tools, die Mitarbeitern in Gefängnissen die Schadensminimierenden Ansätze näher bringen sollen. Außerdem wurden Informationsmaterialien für Gefangene und Gefängnismitarbeiter entwickelt.

Teil eines EU-Projektes

Das Projekt der Frankfurter Wissenschaftler war Teil eines JOINT ACTION-Projekts der EU-Kommission. „Solche Programme werden immer dann bei (Gesundheits-)Problemen aufgelegt, wenn kurzfristig und schnell Lösungen für ein Problem generiert werden sollen“, erklärt Projektleiter Stöver.