Wie Beifuß-Pollen für Asthma-Kranke gefährlich wird


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Hauptsächlich der Pollen des Beifußes transportiert Bakterien, wodurch er noch aggressiver und gefährlicher für Asthma-Patienten wird.

Hintergrund

Endotoxine von gramnegativen Bakterien können starke immunologische und entzündliche Reaktionen hervorrufen. Gelangen sie in die Luft können sie bei Asthmatikern Atemprobleme verursachen. Wie die Bakterien-Bestandteile in die Luft gelangen, war allerdings bisher unklar. Forscher des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München (TUM) haben dies nun untersucht. 

Design

Mehrere Jahre untersuchte das Forschungsteam zusammen mit Kollegen des Christine Kühne – Center for Allergy Research and Education (CK-CARE) die Luft in der Innenstadt Münchens und in Davos. Sie analysierten zum einen, welche unterschiedlichen Pflanzenpollen in der Luft zu finden waren, und zum anderen maßen sie die Konzentration von Endotoxinen. Endotoxine werden auch freigesetzt, wenn Bakterien absterben und in ihre Einzelteile zerfallen.

Hauptergebnisse

Die Menge an Endotoxin in der Luft nahm nur zu, wenn auch die Pollenkonzentration der Beifuß-Pflanze anstieg – unabhängig von klimatischen Veränderungen. Kontrollmessungen in Davos zeigten, dass die allgemeine Luftbelastung durch Pollen und Endotoxine dort zwar viel geringer war. Dennoch war auch hier ein Zusammenhang von Beifußpollen und den Bakterientoxinen nachweisbar.

Das Studienteam untersuchte ebenfalls den Bakterienbewuchs auf Beifußpflanzen, um herauszufinden, von welcher Bakterienart die Endotoxine auf dem Pollen stammen. Sie konnten eine einzige Art als Hauptquelle identifizieren: das Bakterium Pseudomonas luteola. Es war auf 95 Prozent der Pflanzen zu finden.

Zuletzt testeten die Wissenschaftler ihre Ergebnisse in einem komplexen Allergiemodell. Sie konnten aufzeigen, dass Beifuß-Pollen in Verbindung mit hohen Mengen von Endotoxinen des identifizierten Bakteriums starke Entzündungsanzeichen in den Atemwegen verursacht. Bei geringen Dosen des Endotoxins, mit dem Endotoxin alleine oder nur dem Pollen waren diese starken Effekte nicht zu messen.

Klinische Bedeutung

„Wir konnten zeigen, dass die Pollen wie ein Taxi für die Bakterien und somit für ihre Toxine dienen. Der von Natur aus sehr allergene Pollen des Beifußes wird dadurch noch problematischer für Allergiker und Asthmatiker“, so das Professorenteam Claudia Traidl-Hoffmann und Jeroen Buters (TUM und Helmholtz Zentrum München), das die Studie geleitet hat. „Mit diesem Wissen können wir künftig indirekt über die Pollenmessung auch eine Vorhersage darüber treffen, wann die Endotoxin-Belastung in der Luft sehr hoch ist. Dadurch können wir Allergiker und Asthmatiker sinnvoll warnen“, erklärt Jose Oteros, der Erstautor der Studie.


Finanzierung:  Die Studie wurde gefördert von der Kühne Stiftung - Christine Kühne Center for Allergy Research & Education (CK-CARE) und vom AIRBIOTA-CM Programm (S2013/MAE-2874, Community of Madrid, Spain). J. Oteros wurde unter anderem durch das Postdoktoranden Stipendienprogramm des Helmholtz Zentrums München unterstützt.