WHO-Report 2019: Resistenzen gegen HIV-Medikamente haben alarmierende Ausmaße angenommen


  • Daniela Ovadia — Agenzia Zoe
  • Medical News
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Kernbotschaften

  • In 12 Ländern (in Afrika, Asien und Amerika) liegt das Ausmaß der HIV-Resistenzen - besonders vor einer antiviralen Therapie - gegen Efavirenz und Nevirapin bei Erwachsenen, die mit einer Erstlinien-ART beginnen, schon bei über zehn Prozent; am meisten betroffen sind Frauen.
  • Mehr als die Hälfte der HIV-positiven Kinder (≤18 Monate) in neun Ländern in Subsahara-Afrika sind mit einem resistenten Virus infiziert.
  • Die WHO empfiehlt, rasch auf Dolutegravir-basierte Erstlinien-Regime umzusteigen, um die negativen Folgen einer Resistenz gegen nicht-nukleosidische RTIs (reverse-transcriptase inhibitors) zu verhindern.

Ein neuer WHO-Bericht zeigt einen alarmierenden Anstieg der HIV-Resistenzen, die in drei Hauptkategorien unterteilt werden: erworbene Resistenz des HI-Virus, übertragene HIV-Resistenz und Resistenz vor Therapie mit antiviralen Wirkstoffen (PDR: pre-treatment HIV drug resistance).

Die WHO stellt die Ergebnisse von 44 repräsentativen nationalen Studien zur HIV-Resistenz dar, durchgeführt in 24 Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen (zwischen 2004 und 2018 wurden Studien in 49 Ländern durchgeführt, in weiteren 35 Ländern sind Untersuchungen geplant).

Untersuchungen zur PDR, nachgewiesen bei ART-naiven Personen, die eine ART begannen, oder bei Personen, die vor einer erneuten ART bereits eine solche Therapie erhalten hatten, wurden von 18 Ländern (2014 - 2018)  abgeschlossen. In 12 Ländern (Argentinien, Swasiland, Kuba, Guatemala, Honduras, Namibia, Nepal, Nicaragua, Papua Neu-Guinea, Südafrika, Uganda und Zimbabwe) lag die PDR gegen Efavirenz und/oder Nevirapin bei Erwachsenen, die eine Erstlinien-ART begannen, bei über zehn Prozent.

Die PDR gegen nicht-nukleosidische RTIs ist bei Frauen zweifach höher als bei Männern (11,8% [95% CI 9,4-14,8] versus 7,8% [6,3-9,5], P=0,005) und bei HIV-Positiven, die erneut eine ART starten dreimal höher als bei therapie-naiven HIV-Infizierten (21,1% [95% CI 15,0-28,9) versus 7,8 [6,3-9,6], P≤0,0001). Die PDR gegen nukleosidische RTIs ist gering (Tenofovir 0%-4,5%; Emtricitabin oder Lamivudin 0%-5,7%).

Nach PDR-Untersuchungen bei unter 18 Monate alten Kindern in neun Ländern in Subsahara-Afrika (2012 - 2018) sind mehr als die Hälfte der Kinder vor Beginn einer Therapie mit resistenten HI-Viren infiziert. Die Prävalenz der PDR gegen Efavirenz und Nevirapin reichte von 34% (95% CI 27-41%) in Swasiland bis zu 69% (95% CI 62-75%) in Malawi. Darüber hinaus lag die Prävalenz der PDR gegen nukleosidische RTIs (Abacavir oder Lamivudin) in einigen Ländern auch über zehn Prozent.

Frauen stellen auf globaler Ebene den größeren Anteil der HIV-Positiven (vor allem in Subsahara-Afrika); der Anteil der Infizierten, die erneut eine ART starten, variiert zwischen den Ländern und nimmt zu.

Darüber hinaus unterstreichen die Ergebnisse, wie wichtig es ist, gemäß WHO Dolutegravir-basierte Erstlinien-Regime zu übernehmen; zudem legen sie es nahe, HIV-Resistenzen bei Kindern routinemäßig zu überwachen, wenn nukleosidische RTIs in Kombination mit Wirkstoffen gegeben werden, bei denen die genetische Resistenz-Barriere gering ist.

Abschließend empfiehlt die WHO, auf klinischer und auf Programm-Ebene Qualitäts-Indikatoren, die mit dem Auftreten von HIV-Resistenzen assoziiert sind, zu überwachen und bei Mängeln darauf zu reagieren. Bei HIV-Infizierten ohne virale Suppression, sind diese häufiger.