WHO fordert mehr Engagement für die Patienten-Sicherheit

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  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Jedes Jahr erleiden Millionen von Menschen gesundheitliche Schäden durch falsche medizinische Behandlungen. Nach Angaben der WHO kommt es dadurch allein in Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen zu 2,6 Millionen Todesfällen pro Jahr. Die meisten seien vermeidbar, so die Genfer Organisation, die daher morgen mit einer großen Kampagne zur Patienten-Sicherheit die weltweite Aufmerksamkeit dafür wecken will. 

Häufig: Medikationsfehler

Die meisten Fehler werden laut WHO bei der Diagnose und der Verschreibung und Anwendung von Medikamenten gemacht. Fehler bei der operativen Versorgung verursachen bei bis zu 25 Prozent der Patienten Komplikationen; jährlich kommt es dabei zu einer Million Todesfällen. Zu den Fehlern bei der  operativen Therapie zählen zum Beispiel Amputationen der falschen Extremitäten, Verletzungen von Gefäßen und mangelnde Hygiene mit der Folge von Infektionen. 

Zu den Todesfällen, die zum Teil auch durch eine bessere Versorgung verhindert werden könnten, zählen unter anderen Suizide. Es gebe zwar einige Fortschritte in der Prävention, aber dennoch „stirbt alle 40 Sekunden ein Mensch durch Suizid“, sagte der WHO-Direktor. Eine wichtige präventive Maßnahme - unter mehreren anderen - sei, den Zugang zu Schusswaffen und toxischen Substanzen wie Pestiziden zu erschweren. Darüber hinaus sei es wichtig, gefährdete Personen frühzeitig zu identifizieren und zu behandeln.

„Eine Kultur der Patienten-Sicherheit“

Um die Sicherheit der Patienten zu verbessern, fordert die WHO verstärkte Anstrengungen und mehr Investitionen. Dadurch könnten auch Kosten reduziert werden, denn, so die WHO, Prävention sei preiswerter als Therapie. Auch eine stärkere Einbindung der Patienten könnte dazu beitragen, die Häufigkeit gesundheitlicher Schäden durch Fehlbehandlungen sowie die dadurch verursachten Kosten zu reduzieren. 

„Wir brauchen eine Kultur der Patienten-Sicherheit, die die Partnerschaft mit den Patienten fördert und dazu ermutigt, über Fehler zu berichten und von Fehlern zu lernen“,  betont Tedros Adhanom Ghebreyesus. 

„Jeder Fehler zählt!“

Ein solches System, über Fehler in der medizinischen Versorgung zu berichten und daraus zu lernen, gibt es in Deutschland seit 15 Jahren. „Jeder Fehler zählt!“, heißt das Motto des Fehlerberichts- und Lernsystems für Hausärzte des Instituts für Allgemeinmedizin der Universität Frankfurt am Main. Seit 2004 ermöglichen Institutsleiter Professor Ferdinand M. Gerlach und seine Mitarbeiter Kollegen, auf ihrer Webseite anonym über eigene Fehler zu berichten und Lösungsvorschläge zu diskutieren.

„Berichten ist sinnvoll"

Fehlerberichtssysteme entstanden zunächst im Bereich der Luftfahrt und in anderen Industriezweigen, in denen vermeintlich kleine Fehler große Auswirkungen haben können. Inzwischen gebe es einige Staaten, in denen Fehlerberichtssysteme auch in der Medizin genutzt würden, so Gerlach und seine Kollegen. Der Grundgedanke aller Systeme: Man muss nicht alle Fehler erst selbst gemacht haben, um aus ihnen lernen zu können. Berichten ist sinnvoll, vor allem, wenn es zu einer konstruktiven Reaktion führt.