WHO empfiehlt bei Masernepidemie Impfung vor dem 9. Lebensmonat

  • Lancet Incet Dis

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Die Welt­gesund­heits­organi­sation WHO rät im Fall einer Masernepidemie Säuglinge bereits vor dem 9. Lebensmonat zu impfen. Die Empfehlung geht aus den Daten zweier Meta-Analysen hervor, die jüngst in Lancet Infectious Diseases veröffentlicht wurden. Danach gilt eine vorgezogene erste Impfung für den Säugling als effektiv und sicher. Allerdings ist die Schutzwirkung umso geringer, je früher die Babys geimpft werden. Die Wirksamkeit der zweiten Impfung bleibt indessen erhalten, auch wenn der erste Impftermin vor dem 9. Lebensmonat erfolgt.  

Säuglinge in den ersten Monaten nicht mehr optimal geschützt

Da immer mehr Mütter selbst gegen Masern geimpft wurden, fällt der Nestschutz für Säuglinge in den ersten Monaten deutlich geringer aus. Sie verlieren früher die passive Immunität im Vergleich zu Babys, deren Mütter auf natürliche Weise die Immunität erworben haben; das Risiko für eine Maserninfektion in den ersten Lebensmonaten nimmt dadurch zu. Ein Forscherteam um Susan Hahné vom Reichsinstitut für Volksgesundheit bei Utrecht hat nun erstmals eine Meta-Analyse durchgeführt, um Immunogenität, Wirksamkeit und Sicherheit der ersten Masernimpfung bei Säuglingen unter 9 Monaten zu bestimmen.

Geringerer Schutz durch frühere Immunisierung

Die Forscher fanden heraus, dass eine erste Impfung vor dem 9. Lebensmonat wirksam und sicher ist, obwohl bei Säuglingen, die später geimpft werden, höhere Antikörpertiter und eine höhere Impfwirkung zu beobachten sind. Der Anteil der Säuglinge, die seropositiv waren, stieg von 50% nach der ersten Impfung im Alter von 4 Monaten auf 85% nach 8 Monaten.

Unter 3.484 Säuglingen, die vor dem 9. Lebensmonat geimpft wurden, gab es laut Studie keine schweren Impfkomplikationen. Auch hinsichtlich Fieber, Durchfall, Ausschlag oder lokalen Reaktionen konnten keine signifikanten Unterschiede im Vergleich zu den Säuglingen festgestellt werden, die den Impfstoff im Alter von 9 Monaten oder älter erhielten. Allerdings, so die Forscher, wurden zu wenige Säuglinge geimpft, um das Risiko einer seltenen Impfkomplikation tatsächlich zu beurteilen.

Schutzwirkung der zweiten Impfung nicht beeinträchtigt

Dass bei Kindern, die vor dem 9. Lebensmonat die erste Masern-Impfung erhalten, die Schutzwirkung der zweiten Impfung verringert ist, konnte durch eine zweite Meta-Analyse der niederländischen Forscher nicht bestätigt werden. So betrug der Anteil der Kinder, die Antikörper bildeten, nach der 2. Impfung auch dann 98 %, wenn die 1. Impfung vor dem 9. Lebensmonat verab­reicht wurde. Allerdings fanden die Forscher auch einige HInweise darauf, dass eine frühere erste Impfung zu niedrigeren Antikörpertitern nach ein oder zwei aufeinanderfolgenden Impfstoffdosen führte verglichen mit Säuglingen, die ihre erste Masernimpfung im Alter von 9 Monaten oder älter erhielten. Die klinische und gesundheitliche Relevanz dieses Abstumpfungseffekts der Immunität sei noch ungewiss, so die Studienautoren.

Finanzierung: WHO