WHO befürchtet Anstieg des Alkohol-Konsums in den kommenden Jahren


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Der übermäßige Konsum von alkoholischen Getränken bleibt weiterhin ein großes medizinisches, soziales und ökonomisches Problem, wie ein aktueller Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt. In einigen WHO-Regionen ist der Alkohol-Konsum zwar gesunken. Experten befürchten allerdings, dass der weltweite Konsum in den kommenden Jahren wieder steigen könnte. Besonders hoch ist der Konsum in Deutschland. 

Drei Millionen Tote 2016

An fünf Prozent aller Todesfälle weltweit ist Alkohol-Konsum beteiligt. 2016 waren es rund drei Millionen Menschen, deren Tod in einem Zusammenhang mit dem Konsum von Alkohol stand. Zu den exakten Todesursachen gehörten Verletzungen infolge von Unfällen oder Gewaltanwendungen (fast 29 Prozent), Erkrankungen des Verdauungstraktes (21 Prozent), Herzerkrankungen und Diabetes mellitus (19 Prozent) sowie Infektionen, Krebserkrankungen (12,6%) und psychische Störungen. 

Der Verlust an Lebensjahren ohne Krankheiten und Behinderungen (DALYs) betrug 2016 rund 133 Millionen, das entsprach rund fünf Prozent aller DALYs in diesem Jahr. Die positive Nachricht: In der Mehrzahl der osteuropäischen Länder ist der Konsum gesunken. 

Trinkfreudigkeit in Deutschland

Im Durchschnitt tranken Menschen 2016 etwas mehr als sechs Liter reinen Alkohols (6,4). 2005 waren es 5,5 Liter. Deutlich höher war 2016 der Konsum in Deutschland mit 13,4 Litern, ebenso in Frankreich (12,6 l). Niedriger war er zum Beispiel in Italien (7,5 l).

Am häufigsten wird in der Welt Hochprozentiges getrunken (knapp 45%), gefolgt von Bier (34,3%) und Wein (11,7%). In Deutschland ist hingegen Bier das beliebteste alkoholische Getränk (53%; Wein: 28%).

Da der Konsum laut WHO in den kommenden Jahren zunehmen könnte (2025: 7,0 Liter), fordert die Genfer Organisation verstärkte Gegenmaßnahmen, etwa höhere Steuern auf alkoholische Getränke.

„Global Burden of Disease-Studie“: ähnliche Daten

Auf das weltweit große Problem des übermäßigen Alkohol-Konsums haben erst kürzlich auch die Autoren der „Global Burden of Disease-Studie“ hingewiesen. Alkohol-Konsum sei mit etwa zehn Prozent aller Todesfälle bei Menschen zwischen 15 und 49 Jahren assoziiert. Pro Jahr stürben rund zwei Prozent der Frauen und fast sieben Prozent der Männer an Erkrankungen im Zusammenhang mit Alkohol-Konsum. 2016 war Alkoholkonsum bei Menschen zwischen 15 und 49 Jahren Hauptursache für frühzeitigen Tod und Behinderung.

Das Risiko, eine der 23 berücksichtigten Krankheiten wie Diabetes und Tuberkulose  zu entwickeln, steigt laut diesem Bericht mit jedem täglich konsumierten Drink und 10 Gramm Alkohol (etwa ein Viertelliter Bier oder ein Achtel Wein um 0,5 % im Vergleich zur Alkohol-Abstinenz. In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass von 100.000 Menschen/Jahr 918 im Vergleich zu 914 betroffen waren. Der absolute Unterschied betrug demnach auf 100.000 Menschen genau 4 Menschen pro Jahr - oder 0,004 Prozent.