West-Nil-Fieber: 2020 bereits neun Infektionen in Deutschland nachgewiesen

  • Robert Koch-Institut (RKI)

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Mitte August wurden vier in Deutschland erworbene Infektionen mit West-Nil-Fieber (WNV) beim Menschen durch das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) bestätigt, im September k amen weitere Fälle aus Leipzig und Berlin dazu. Das geht aus dem aktuellen Epidemiologischen Bulletin 37/2020 des Robert Koch-Instituts hervor.

Zunahme der Infektionen in Ostdeutschland

Insgesamt berichtet das Robert-Koch-Institut (RKI) derzeit von sieben gemeldeten Fällen in Leipzig und je einem in Meißen und Berlin. Unter den Infizierten ist laut RKI-Angaben ein 76-jähriger Mann, der eine Enzephalitis entwickelt hat und zwei weitere Patienten (32-jährige Frau und 85-jähriger Mann), die an einer Meningitis erkrankt sind. Eine Person in Meißen fiel beim Blut-/Plasmaspende-Screening auf und hatte nach der Spende allgemeine Krankheitssymptome sowie Muskel- und Gelenkschmerzen. Auch eine Person aus Berlin wurde im Rahmen der Blut/Plasmaspende identifiziert und entwickelte nachträglich allgemeine Krankheitszeichen. Sowohl in Leipzig als auch in Berlin befinden sich noch weitere Verdachtsfälle in Abklärung.

"Für den kommenden Herbst rechnen wir noch mit weiteren Infektionen“, teilt auch Professor Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des Centrum für Reisemedizin (CRM) mit. Das CRM rät daher Menschen in Zentral-Ostdeutschland vor allem aber in den Regionen um Berlin, Halle, Bernburg (Sachsen-Anhalt) und Erfurt auf einen sorgfältigem Mückenschutz zu achten.

Einschleppung des WNV durch Zugvögel
Im Spätsommer des vergangenen Jahres sind in Ostdeutschland erstmals fünf Menschen erkrankt, während zuvor in diesen Regionen Mitte Juli WNV- Infektionen bei Vögeln gemeldet worden sind, heißt es in einer Mitteilung des CRM. So wurde in Berlin das Virus bei einer toten Blaumeise nachgewiesen. Im Bergzoo Halle (Sachsen-Anhalt) ist eine Alpendohle an der Infektion verstorben, in Bernburg (Sachsen-Anhalt) ein Uhu und im Erfurter Zoopark (Thüringen) eine Schneeeule.

Da es in Europa seit den 1960er Jahren immer wieder zu sporadischen Ausbrüchen kommt, wird diskutiert, dass Zugvögel im Frühjahr den West-Nil-Virus aus den tropischen und subtropischen Endemiegebieten einschleppen und dann in Europa auf Mücken übertragen. Unter bestimmten Witterungsbedingungen können laut CMR diese infizierten Mücken dann auch Menschen mit dem Virus anstecken.

Grippeähnliche Symtome

Beim West-Nil-Fieber handelt es sich um eine akute, oft grippeähnliche Erkrankung, die von nachtaktiven Mücken übertragen wird. Hauptüberträger in Europa sind die Mückenarten Culex pipiens bzw. Culex modestus.

Die Krankheit bricht drei bis sechs Tage nach dem Stich durch eine infizierte Mücke aus. Als typische Symptome treten Fieber, Muskelschmerzen und angeschwollene Lymphknoten auf. Etwa ein Drittel der Erkrankten entwickelt an Brust, Rücken und Armen einen Hautausschlag, der jedoch ohne Schuppung abheilt. Bei einigen Patienten kommt es zu einer Meningitis oder Enzephalitis. Vor allem bei älteren Menschen kann die Erkrankung tödlich verlaufen.

Ärzte sollten daher in Gebieten mit bekannter WNV-Zirkulation in Tieren bei Personen mit ätiologisch unklaren Meningoenzephalitiden und bei örtlichen Häufungen von Patienten mit Fieber unklaren Ursprungs eine WNV-Diagnostik veranlassen, empfiehlt auch das Robert Koch-Institut .