Wer beim Autofahren vibriert, dem droht ein Nickerchen


  • Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Ganzkörper-Vibrationen mit geringer Frequenz können beim Autofahren die Schläfrigkeit und so das Unfallrisiko erhöhen. 

Hintergrund

Ein kurzes Nickerchen im Büro mag gesund sein, in einem PKW oder LKW hingegen ist es lebensgefährlich. Ursachen für Schläfrigkeit gibt es viele, mal ist es Schlafmangel in der Nacht, mal sind es Medikamente, die dazu führen, dass Müdigkeit einen Fahrer oder eine Fahrerin übermannt. Australische Wissenschaftler haben nun einen weiteren Faktor untersucht, und zwar niedrig-frequente Vibrationen. Denn von Ganzkörper-Vibrationen mit einer Frequenz von etwa 5 Hz sei bekannt, dass sie Herzfrequenz, Blutdruck und Atmung beeinflussten schreiben die australischen Autoren. Außerdem sei eine verstärkte Müdigkeit beobachtet worden, wodurch die kognitive Leistung gemindert werde. Komme es beim Autofahren zu Müdigkeit, werde versucht, die Leistungsfähigkeit zu erhalten, was mit einer Sympathikus-Aktivierung einhergehe. Bekannt sei außerdem, dass es niedrige Frequenzen seien, die Müdigkeit induzierten und den Parasympathikus induzierten, erklären die Forscher.

Design

Untersucht haben die australischen Wissenschaftler den möglichen Zusammenhang in einem Fahrsimulator für Vibrationen mit einer Frequenz von 4 bis 7 Hz. Als objektivierbaren Parameter wählten sie die Herzfrequenzvariabilität - ein Maß für die Aktivität des autonomen Nervensystems; zudem werteten sie die Angaben der Probanden zu ihrem Befinden aus, wobei sie die KS-Skala (Karolinska Sleepiness Scale) verwendeten. An den Experimenten nahmen 15 gesunde Studentinnen (4) und Studenten (11) teil; sie mussten jeweils zwei 60-minütige Fahrten im Fahrsimulator absolvieren, einmal mit über den Sitz vermittelte Ganzkörper-Vibrationen (4 bis 7 Hz), einmal ohne Vibrationen.

Hauptergebnisse

Innerhalb von 15 bis 30 Minuten stieg bei simulierten Fahrten mit Vibrationen die Sympathikus-Aktivierung als Reaktion der Probanden auf den Stress, wach zu bleiben und trotz Schläfrigkeit noch „fahren“ zu können. Nach 60 Minuten erreichte die Sympathikus-Aktivierung das Maximum. Die Auswertung der KS-Skala bestätigte den Zusammenhang zwischen den Vibrationen und Schläfrigkeit.

Bedeutung

Solche Untersuchungen könnten, wie die Autoren schreiben, für die Verkehrssicherheit von großer Bedeutung sein. Es handelt sich hier allerdings um eine Pilotstudie, deren Ergebnisse natürlich nicht 1 zu 1 auf das Autofahren unter realen Bedingungen übertragen werden können. Außerdem seien die Experimente mit gesunden jungen Probanden durchgeführt worden, Verkehrsunfälle infolge von Schläfrigkeit würden jedoch eher von älteren Personen verursacht. Zudem seien nur Vibrationen mit 4 bis 7 Hz getestet worden, betonen die australischen Wissenschaftler; in Zukunft wollen sie auch Experimente mit einem größeren Frequenz-Spektrum (1 - 15 Hz) durchführen, außerdem Versuche mit Probanden, die zum Beispiel an einer Schlaf-Apnoe leiden.

Für Autofahrer lassen sich aus den Ergebnissen keine Empfehlungen ableiten, zum Beispiel dazu, ob es sinnvoller sei, das Geld in ein vibrationsresistentes Fahrzeug jener Automobilfirma zu investieren, die nach eigener Aussage nur „das Beste oder nichts“ produziere, oder in einen antiquierten und brettharten Morgan Plus 8 mit Holzrahmen und Blattfedern. Kontrollierte und randomisierte Vergleichsstudien zwischen Fahrzeugen mehrerer Hersteller, in denen der Einfluss von Vibrationen auf die Parameter Schläfrigkeit und Unfallrate untersucht wird, sind leider kaum wahrscheinlich. 

Finanzierung: Australische Regierung