Wer arm ist, stirbt auch in Deutschland früher


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Vor Vollendung des 65. Lebensjahres sterben 13 % der Frauen und 27 % der Männer aus der niedrigsten Einkommensgruppe, in der höchsten Einkommensgruppe sind es 8 % der Frauen und 14 % der Männer. Diese sozialen Unterschiede in der Mortalität und Lebenserwartung sind in den vergangenen 25 Jahren relativ stabil geblieben. Das sind Ergebnisse von neuen Analysen des Robert-Koch-Instituts, die im „Journal of Health Monitoring“ veröffentlicht sind.

Differenz bei der Lebenserwartung über 4 und 8 Jahre 

Die Daten für die Analyse von Mortalität und Lebenserwartung stammen vom Sozioökonomischen Panel des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und aus Sterbetafeln des Statistischen Bundesamtes. Die RKI-Forscher untersuchen ausser der sogenannten „ferneren Lebenserwartung“, bei der die zu erwartenden Lebensjahre ab einem bestimmten Alter (beispielsweise von 65 Jahren) berechnet werden, auch die mittlere Lebenserwartung bei Geburt und setzen sie in Bezug zum Einkommen. Das Ergebnis der bis 2016 vorliegenden Daten: Bei der Lebenserwartung ab Geburt beträgt die Differenz zwischen der niedrigsten und höchsten Einkommensgruppe für Frauen 4,4 Jahre und für Männer 8,6 Jahre. Auch in der ferneren Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen: Bei Frauen beträgt die Spannweite zwischen der niedrigsten und höchsten Einkommensgruppe 3,7 Jahre, bei Männern 6,6 Jahre. 

Besseres Einkommen, höhere Lebenserwartung

Die Trendanalysen machten deutlich, dass sich die Unterschiede im Verlauf der letzten 25 Jahre nicht wesentlich verringert hätten, heißt es in einer Mitteilung des Berliner Instituts Die Ergebnisse deuten den Epidemiologen zufolge „vielmehr darauf hin, dass der Zuge- winn an Lebenszeit in der höchsten und auch in den mitt- leren Einkommensgruppen größer ausgefallen ist und sich dadurch der Abstand zur niedrigsten Einkommensgruppe vergrößert hat beziehungsweise haben könnte“. Dieser Trend lasse sich aber statistisch nicht absichern. Die Ergebnisse stimmten weitgehend mit anderen Ergebnissen zu einkommensbezogenen Unterschieden in der Mortalität und Lebenserwartung überein. Zudem stünden sie im Einklang mit Studien, die auf anderen Daten basieren.

Solche Zusammenhänge zwischen Einkommen und Lebenserwartung gibt es laut den RKI-Wissenschaftlern auch in anderen europäischen Ländern, etwa in Großbritannien und Norwegen. Für beide Länder sei gezeigt worden, dass die sozialen Unterschiede in der Lebenserwartung im Verlauf der letzten Jahrzehnte zugenommen hätten.