Wenn süße Gelüste vor der Menstruation besonders stark werden


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Smalltalk
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Kernbotschaften

Frauen reagieren einer aktuellen Studie zufolge in der Zeit kurz vor der Menstruation deutlich sensibler auf Bilder hochkalorischer Lebensmittel als in anderen Zyklusphasen. Für niedrigkalorische Bilder gilt dieser Effekt jedoch nicht, wie ein Team von Forschern der Universität Gießen durch neurophysiologische und endokrinologische Untersuchungen festgestellt hat. 

Das Phänomen: Beschwerden und Heißhunger

Verlangen nach Pommes, Burger und Pizza? Gelüste auf Eis, Kuchen und Schokolade? Viele Frauen erleben kurz vor dem Eintreten der Periode ausser Stimmungsschwankungen, Konzentrationsschwierigkeiten oder Brustspannen auch einen plötzlichen Heißhunger auf Süßes oder Salziges. Diese prämenstruellen Symptome und Gelüste auf bestimmte Lebensmittel werden vor allem in Zusammenhang mit den biochemischen Veränderungen während des Monatszyklus gebracht.

Die Fragestellung und das Ergebnis

Ob das weibliche Gehirn kurz vor der Periode auch besonders sensibel auf Essensreize reagiert, hat nun ein Team um Erstautorin Dr. Jana Strahler von der Universität Gießen bei 35 jungen Frauen untersucht, die nicht hormonell verhüten. Strahler und ihre Kollegen haben die Frauen für ihre Untersuchungen in einem Zeitraum von drei Monaten wiederholt ins Labor eingeladen – in der ersten Zyklushälfte, zur Zeit des Eisprungs und in der Zeit kurz vor der Menstruation. Die Frauen wurden gebeten, Bilder hoch- und niedrig-kalorischer Lebensmittel anzuschauen und hinsichtlich ihrer Schmackhaftigkeit zu bewerten. Aufmerksamkeit und Sensibilität gegenüber den Bildern wurden mittels EEG gemessen, zudem wurde die jeweilige Progesteron-Konzentration bestimmt. Zusätzlich machten die Frauen aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen Angaben zu Beschwerden und Beeinträchtigungen im Zusammenhang mit dem Monatszyklus. Sie berichteten zum Teil von Unwohlsein bis hin zu Schmerzen, aber auch von Beeinträchtigungen in ihren sozialen Beziehungen, beispielsweise im Arbeitsumfeld oder bei ihren Hobbies.

Die erhobenen Daten belegen einer Mitteilung nach, dass Frauen in der Zeit kurz vor der Menstruation deutlich sensibler auf Bilder hochkalorischer Lebensmittel reagieren als in anderen Zyklusphasen. Für niedrigkalorische Bilder zeigte sich dieser Effekt jedoch nicht. Jana Strahler fasst die Ergebnisse zusammen: „Je niedriger die Progesteron-Konzentration und je größer die Beeinträchtigungen, von der die Frauen im Zusammenhang mit ihrer Periode berichteten, umso geringer war die EEG-Reaktion auf Bilder hochkalorischer Lebensmittel.“ Keine Unterschiede habe es in der subjektiven Bewertung der Bilder gegeben. 

Ob eine derart veränderte Reaktion auch relevant für die Entwicklung von Essstörungen, Adipositas oder Prämenstruellen Dysphorischen Störungen ist, ist nach Angaben der Gießener Wissenschaftler bisher ungeklärt. Weitere Studien mit Frauen müssen zeigen, ob eine verringerte Sensibilität für hochkalorische Nahrungsmittel für einen übermäßigen Verzehr hochsüßer und fettreicher Lebensmittel anfällig macht oder – im Gegenteil – sogar davor schützt.​​​​​​​