Wenn der erste Sex erzwungen wird, sind medizinische und soziale Probleme doppelt so häufig

  • JAMA Internal Medicine

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

In einer Befragung von mehr als 13000 US-amerikanischen Frauen gaben 6,5 % an, zu ihrem ersten Geschlechtsverkehr gezwungen worden zu sein. Diese Frauen waren im Durchschnitt jünger und erlitten gesundheitliche sowie soziale Probleme häufiger als Frauen, die ihren ersten Geschlechtsverkehr freiwillig hatten.

Hintergrund

Die Autoren verweisen auf die #MeeToo-Bewegung, die in jüngster Vergangenheit verdeutlicht habe, wie oft Frauen sexuelle Gewalt wiederfährt. Bisher gibt es aber keine aktuellen Studien zur Prävalenz, mit der Mädchen und Frauen beim ersten Sexualkontakt zum Geschlechtsverkehr (GV) gezwungen werden, und auch nicht zu den gesundheitlichen Folgen.

Design

Querschnittsanalyse einer Erhebung (National Survey of Family Growth) aus den Jahren 2011 – 2017, an der 13.310 US-amerikanische Frauen im Alter zwischen 18 und 44 Jahren teilgenommen hatten. Gefragt wurde, ob der erste GV freiwillig geschah oder erzwungen wurde. Als Zwang wurde dabei jegliche Art von Bedrängnis gewertet, beispielsweise auch die Drohung, die Beziehung ansonsten abzubrechen. Diese Exposition wurde dann einer Reihe demographischer, soziographischer und reproduktionsmedizinischer Parameter gegenübergestellt.

Ergebnisse

  • 6,5 % der Frauen wurden zu ihrem ersten GV gezwungen.
  • Frauen, die gezwungen wurden, waren durchschnittlich 15,6 Jahre alt. Jene, die ihren ersten GV freiwillig hatten, waren im Mittel 17,4 Jahre alt (P
  • Wurde der erste GV erzwungen, so waren die Partner im Schnitt 6 Jahre älter, als wenn dies freiwillig geschah (27,0 vs. 21,0 Jahre).
  • Folgende Ereignisse bzw. Diagnosen traten nach erzwungenem ersten GV häufiger auf (Häufigkeit in Prozent und adjustierte Chancenverhältnisse aOR):
    • ungewollte erste Schwangerschaft - 30,1 vs 18,9 %; aOR 1,9 (95%-Konfidenzintervall 1,5 – 2,4)
    • Abtreibung – 24,1 vs 17,3 %; aOR 1,5 (95%-KI 1,2 – 2,0)
    • Endometriose – 10,4 vs 6,5 %; aOR 1,6 (95%-KI 1,1 – 2,3)
    • Unterleibsentzündung – 8,1 vs 3,4 %; aOR 2,2 (95%-KI 1,5 – 3,4)
    • Konsum illegaler Drogen – 2,6 vs 0,7 %; aOR 3,6 (95%-KI 1,8 – 7,0)

Klinische Bedeutung

Die Zahlen, die noch vor der #MeToo-Kampagne erhoben wurden, weisen darauf hin, dass der erste GV von Frauen häufig erzwungen wird und mit einer annähernden Verdoppelung zahlreicher Indikatoren für schlechte Gesundheit und soziale Probleme einhergeht. Auch wenn in derartigen Untersuchungen Verzerrungen nicht auszuschließen sind, so ist eine Ursache-Wirkungs-Beziehung doch höchst plausibel. Angaben zur Intimsphäre im Allgemeinen mögen weniger belastbar sein und werden auch vom gesellschaftlichen Umfeld beeinflusst. Die Größenordnung des Problems dürfte jedoch auch in anderen westlichen Ländern einschließlich Deutschlands ähnlich sein.

Finanzierung: Institutional National Research Service Award, Cambridge Health Alliance.