Weniger Übertragungen und kürzere Virusausscheidung nach Impfung gegen SARS-CoV-2

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine nicht repräsentative Studie zur Ausbreitung der Delta-Variante von SARS-CoV-2 in einer Klinik in Südkorea ergab, dass sekundäre Übertragungen nach einer (Durchbruch)-Infektion bei Geimpften mit 7 % sehr viel seltener waren als bei Ungeimpften (26 %). Die Virusausscheidung dauerte unter partiell oder gar nicht Geimpften zudem mindestens doppelt so lange, wie unter Geimpften.

Hintergrund

Die Frage, inwieweit Patienten mit einer COVID-19-Durchbruchinfektion signifikant zur Ausbreitung des Virus beitragen, kann derzeit wegen begrenzter Daten nicht genau beantwortet werden. Hier wurden deshalb die sekundären Übertragungsraten und die Kinetik der Virusausscheidung zwischen vollständig Geimpften (Breakthrough-Gruppe) und teilweise bzw. ungeimpften Individuen (Kontrolle) verglichen.

Design

Kohortenstudie zur Abschätzung der sekundären Übertragung von SARS-CoV-2. Analysiert wurden dafür die epidemiologischen Daten von 173 infizierten Klinikpatienten, Pflegern und Mitarbeitern des Gesundheitswesens im Asan Medical Center (Seoul, Südkorea). Die Analyse der Kinetik der Virusausscheidung basierte auf 45 Patienten, die in einer nichtklinischen kommunalen Einrichtung mit der Delta-Variante des Virus infiziert wurden und eine milde COVID-19-Erkrankung entwickelt hatten. Bei ihnen wurde mittels Polymerasekettenreaktion die virale Erbsubstanz quantifiziert und aus täglichen Speichelproben Viruskulturen angelegt.

Ergebnisse

  • In der Studie zu den sekundären Befallsraten waren die Probanden median 47 Jahre alt und zu 58 % weiblich. Unter den 173 infizierten Teilnehmern übertrugen 50 Patienten (29 %) das Virus weiter. Dieses Ereignis war mit 7 versus 26 % unter den vollständig Geimpften signifikant seltener (P = 0,008).
  • In der Studie zur Kinetik der Virusausscheidung waren die Probanden median 37 Jahre alt und zu 69 % männlich. Sie waren zu 13 % (n=6) vollständig geimpft und zu 87 % nur teilweise geimpft oder gar nicht. Zwischen diesen beiden Gruppen war die initiale Viruslast vergleichbar. Die Virusausscheidung erfolgte aber bei den Geimpften über einen wesentlich kürzeren Zeitraum, nämlich 4 Tage nach Beginn der Symptome, gegenüber 8 Tagen bei teilweise Geimpften und 10 Tage bei Ungeimpften.

Klinische Bedeutung

Die beiden Untersuchungen wurden jeweils mit einer kleinen Zahl von Teilnehmern durchgeführt, sie sind nicht repräsentativ für die Bevölkerung, und sie beziehen sich auf die Delta-Variante des Virus, die längst nicht mehr dominiert. Dennoch erhärten sich hier erste Daten aus ähnlichen Studien, wonach die Gefahr einer Virusübertragung durch infizierte Geimpfte deutlich geringer ist als durch infizierte Nichtgeimpfte. Für die Autoren ist dies ein wichtiger Beweis, dass trotz der Möglichkeit von Durchbruchinfektionen Impfungen weiterhin von kritischer Bedeutung sind, um die Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu kontrollieren.

Finanzierung: Wissenschaftsministerium Südkorea.