Weniger Typ-1-Diabetes nach Impfung gegen Rotaviren


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Seit der Einführung der Rotaviren-Impfung in Australien im Jahr 2007 ist es bei Kleinkindern zu einem Rückgang der Typ-1-Diabetes-Erkrankungen gekommen. Dies ist das Ergebnis einer epidemiologischen Studie, die jüngst im Fachjournal JAMA Pediatrics veröffentlicht wurde.

Hintergrund

Schon seit längerem vermuten Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen einer Infektion mit Rotaviren und der Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes. Bei Untersuchungen an Mäusen konnte festgestellt werden, dass die Durchfall-Erreger den Untergang von Zellen der Bauchspeicheldrüse auslösen, wobei bestimmte Peptide des Virus große Ähnlichkeit mit den T-Zell-Epitopen von pankreatischen B-Zell-Autoantigenen aufweisen („Molekulare Mimikry“). Umgekehrt sollte die Rotaviren-Impfung zumindest einen Teil der Diabetesfälle verhindern, postulieren australische Wissenschaftler um Kirsten Perrett vom Murdoch Children's Research Institute in Melbourne.

Design

Anhand der Daten vom Institut für Gesundheit und Soziales hatte die Arbeitsgruppe um Perrett alle Fälle von Typ-1-Diabetes vor und nach Einführung der Rotaviren-Impfung im Jahr 2007 analysiert.

Hauptergebnisse

Im Zeitraum zwischen 2000 und 2015 erkrankten 16.159 Personen am Typ-1-Diabetes, bei einer Rotaviren-Impfquote von 84 Prozent. Die Ergebnisse der Analyse zeigten, dass nach 2007 bei den Null- bis Vierjährigen die Zahl der Typ-1-Diabetes-Neuerkrankungen um 14 Prozent zurückgegangen ist. Dies entspricht einem Chancenverhältnis HR von 0,86 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,74 – 0,99 (P=0,04). Anders bei den 5 bis 9-Jährigen und 10 bis 14-Jährigen: Hier konnten die Forscher keine Änderung der Inzidenz des Typ-1-Diabetes über die Zeit feststellen.

Klinische Bedeutung

Laut Studienergebnissen fällt der Rückgang der Typ-1-Diabetes-Inzidenz bei Kleinkindern mit der Einführung des Rotavirus-Impfstoffs als routinemäßige Säuglingsimpfung zusammen. Damit wird die Hypothese der Wissenschaftler gestützt, dass die Schluckimpfung gegen Rotaviren eine protektive Wirkung für die Entstehung der Autoimmunerkrankung haben könnte. „Allerdings war der Rückgang von Typ-1-Diabetes, den wir bei Kleinkindern nach 2007 gefunden haben, bei älteren Kindern zwischen 5 und 14 Jahren nicht zu beobachten“, schränkt Perrett in einer Mitteilung zur Studie ein. Dies lege nahe, dass jüngere Kinder einem schützenden Faktor ausgesetzt waren, der ältere Kinder nicht betraf. Es sei jedoch auch möglich, dass der Effekt nach einigen Jahren verloren geht, da auch andere Virusinfektionen die Entstehung bei entsprechender genetischer Disposition im späteren Kindesalter anstoßen.