Weniger Opioid-Verschreibungen, wenn Ärzte mit fatalen Überdosierungen konfrontiert werden


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Ärzte, deren Patienten an einer Opioid-Überdosis verstorben sind, ändern ihr Verschreibungsverhalten, wenn sie vom Gerichtsmediziner einen Brief mit persönlichen Angaben zu den Opfern bekommen.

Hintergrund

Die meisten Toten nach der Verschreibung von Opioiden betreffen Menschen, bei denen das Risiko größer ist als der mögliche Nutzen, betonen die in Südkalifornien ansässigen Autoren. Als psychologische Erklärung bieten sie an, dass die Risiken unterschätzt werden, wenn man noch nicht persönlich mit den Folgen konfrontiert wurde. Sie haben deshalb eine entsprechende Intervention konzipiert und in einer randomisierten Studie getestet.

Design

Randomisierte Studie mit 861 Klinikern, die 170 Patienten Opioide verschrieben hatten, welche innerhalb eines Jahres an einer tödlichen Überdosis gestorben waren. Studienteilnehmer in der Interventionsgruppe erhielten vom zuständigen Gerichtsmediziner einen Brief mit Namen, Adresse und Alter des Verstorbenen, Informationen zur Gesamtzahl der Opfer im Bezirk, zum staatlichen Arzneimittelüberwachungsprogramm und Richtlinien für eine sichere Verschreibungspraxis. Die Kontrollgruppe erhielt keinen solchen Brief.

Hauptergebnisse

  • Die Verschreibung von Opiaten, gemessen in Milligramm Morphin-Äquivalenten (MME), ging in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe nach 3 Monaten um 9,7 % zurück (95 %-Konfidenzintervall 6,2 – 13,2 %; P
  • In der Interventionsgruppe wurden anschließend 7 % weniger Patienten erstmals auf Opioide gesetzt. Die Verschreibung hoher Dosen ging hier um 3 % (50 MME täglich) bzw 4,5 % (90 MME) zurück.
  • Beim Anteil der Ärzte, die die Verschreibungen substantiell (>20 %) reduzierten, gab es jedoch keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen.

Klinische Bedeutung

Als „schlimmste Medikamentenkrise in der Geschichte der USA“ bezeichnen die Autoren die gegenwärtige Epidemie der legalen und illegalen Einnahme von Opiaten. Sie hat zwischen 1999 und 2016 laut offizieller Statistik 351.630 Todesopfer gefordert, weitere 1,9 Millionen US-Amerikaner sind demnach Opioid-süchtig. Auch wenn die Verhältnisse in Deutschland weniger drastisch sind, so dürfte die vergleichsweise einfache Interventionsmaßnahme doch auch hierzulande auf Interesse stoßen.

Finanzierung: California Health Care Foundation, National Institutes of Health.