Weniger Kaiserschnitte bei künstlicher Einleitung der Wehen in der 39. Schwangerschaftswoche


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die künstliche Einleitung der Geburt in der 39. Schwangerschaftswoche bei gesunden Müttern, die zum ersten Mal gebären verringert im Vergleich zum Abwarten die Rate an Kaiserschnitten. Das Risiko für Fehl- und Totgeburten sowie größere Komplikationen wird dadurch nicht erhöht.

Hintergrund

Im letzten Trimester einer Schwangerschaft erreicht die fötale Mortalität bei 39 Wochen ein Minimum und steigt dann mit weiterer Dauer der Schwangerschaft an. Manche Experten haben sich daher für eine routinemäßige künstliche Einleitung der Geburt ausgesprochen. Dem steht jedoch die Befürchtung gegenüber, dass dies die Rate an Kaiserschnitten und perinatalen Komplikationen erhöhen könnte.

Design

Multizentrische Studie, bei der mehr als 6000 erstmals gebärende Frauen ohne Indikation für einen Kaiserschnitt randomisiert wurden auf die künstliche Einleitung der Geburt in der 39. Schwangerschaftswoche, oder auf ein normales Management vor dem erwarteten Geburtstermin. Das primäre Studienziel waren perinatale Todesfälle oder schwere neonatale Komplikation, das wichtigste sekundäre Studienziel die Häufigkeit von Kaiserschnitten.

Hauptergebnisse

  • In der Induktionsgruppe verstarben oder erlitten schwere Komplikationen 4,3 % der Föten und Neugeborenen, beim normalen Geburtsmanagement waren es 5,4 %. Das relative Risiko betrug somit 0,80 bei einem 95%-Konfidenzintervall (KI) von 0,64 – 1,00.
  • Kaiserschnitte waren in der Induktionsgruppe mit 18,6 % gegenüber 22,2 % in der Vergleichsgruppe signifikant seltener (Relatives Risiko 0,84; KI 0,76 – 0,93).
  • Die Klinikaufenthalte waren für künstlich eingeleitete Geburten kürzer, allerdings verbrachte die Induktionsgruppe median 20 Stunden in den Wehen und im Kreissaal gegenüber 14 Stunden bei natürlichen Geburten.

Klinische Bedeutung

Der Seniorautor Profesor George Macones von der Washington University hält die Studie für einen potenziellen „Game-Changer“, und erwartet einen signifikanten Einfluss auf die Praxis der Geburtshilfe.  „Unsere Abteilung empfiehlt gesunden Schwangeren bereits, die Wehen in der 39. Woche einzuleiten“, sagte er in einer Pressemitteilung. Deutlich skeptischer gibt sich der Kommentator Michael F. Greene vom Massachusetts General Hospital. Er hat Zweifel, ob die Ergebnisse generalisiert werden dürfen, denn von 50.000 Frauen, die für die Studie gescreent wurden, hat man 44.000 ausgeschlossen, und mehr als 16.000 haben es abgelehnt, teilzunehmen. Die Teilnehmerinnen waren mit 23 bis 24 Jahren auch jünger als der Durchschnitt der Mütter in den USA (28,7 Jahre); der Anteil der über 34-jährigen betrug nur 4,1 % versus 17 % für die USA insgesamt, und afro- bzw. hispanoamerikansche Frauen waren überrepräsentiert.

Finanzierung: Eunice Kennedy Shriver National Institute of Child Health and Human Development.