Weniger Herztote in Deutschland, aber mehr Herzkranke


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

In Deutschland sterben laut dem aktuellen Herzbericht immer weniger Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 2016 starben 2,1 % weniger Patienten an kardiovaskulären Erkrankungen als noch im Jahr 2014. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind jedoch weiterhin mit 37,2% die häufigste Todesursache , gefolgt von bösartigen Neubildungen mit 25.3%. Darüber hinaus wurden 2017 mehr Menschen wegen kardialen Erkrankungen stationär behandelt als noch vor wenigen Jahren. 2017 gab es aufgrund von Herzerkrankungen mehr als 1,71 Millionen Krankenhauseinweisungen: über 37.800 mehr als noch 2015 (plus 1,5 %).

Mehr Herzkranke und keine Trendwende in Sicht

Eine starke Zunahme ist vor allem bei den Herzklappen-Erkrankungen (+ 5,8 %), den Herzrhythmusstörungen (+ 3,0 %) und der Herzinsuffizienz (+ 3,7 %) erkennbar. „Dies sind auch die Erkrankungen, die mit zunehmendem Alter häufiger werden“, kommentiert Prof. Dr. Hugo A. Katus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie  (DGK). „Die steigende Lebenserwartung, die zu einem ganz überwiegenden Teil auf die verbesserten Behandlungsmöglichkeiten bei Herzpatienten zurückzuführen ist, führt also auch dazu, dass immer mehr Patienten mit chronischen Herzerkrankung behandelt werden müssen.“ 

Dies spiegelt sich gerade in der höheren Zahl von Herzinsuffizienz-Patienten wider, die häufig die Folge und das Endstadium vieler anderer Herzerkrankungen ist. Die Herzinsuffizienz geht zudem häufig mit Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern oder komplexen ventrikulären Rhythmusstörungen einher. In der gestiegenen Lebenserwartung sieht Katus auch einen Grund für das vermehrte Auftreten von behandlungspflichtigen Herzklappen-Erkrankungen.

Fortschritte durch bessere Behandlungsmöglichkeiten

Obwohl die Häufigkeit der Herzinsuffizienz stieg, sank die Sterberate von Herzinsuffizienz-Patienten um fast elf Prozent. Gründe sind laut Katus Fortschritte in der Therapie sowie ein verbessertes Bewusstsein in der Ärzteschaft dafür, dass für die Herzinsuffizienz und die damit einhergehenden Rhythmusstörungen bessere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Seltener geworden sind ischämische Herzerkrankungen (-2,2 %). „Dies zeigt uns, dass unsere Präventionsstrategien zu greifen beginnen, und das finde ich sehr beeindruckend“, so der DGK-Präsident. Nach den Erfolgen in den Jahren zuvor ist die Sterberate nach einem Herzinfarkt jedoch seit einiger Zeit nahezu unverändert geblieben. Sie sank 2017 um nur 0,6 %. Katus: „Wir scheinen hier ein Plateau erreicht zu haben. Dies zeigen uns auch Daten aus Schweden. Dort konnte die Sterblichkeit aufgrund eines Herzinfarktes zuletzt auch kaum noch gesenkt werden. Wir müssen daher neue alternative Therapieansätze entwickeln, um die Sterberate im Herzinfarkt noch weiter senken zu können.“

Weiterhin Unterschiede zwischen den Bundesländern

Weiterhin gibt es regionale Unterschiede bei der Erkrankungshäufigkeit und den Sterbeziffern – meist zuungunsten der neuen Bundesländer. Diese Abweichungen müssten allerdings vor dem Hintergrund der Altersstruktur in den betroffenen Regionen betrachtet werden, um richtig interpretiert werden zu können, heißt es in einer Mitte Ölung der DGK.  In Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, aber auch im Saarland, lebten anteilig mehr über 65-jährige Menschen als durchschnittlich in Deutschland.