Welt-Pneumonie-Tag: DGG empfiehlt sequentielle Pneumokokken-Impfung für Hochbetagte


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Vor dem Hintergrund der Immunseneszenz und Multimorbidität im Alter empfiehlt die Arbeitsgemeinschaft Impfen der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) schon seit längerem eine sequentielle Impfung für die Gruppe der Hochaltrigen und Multimorbiden. Dabei solle sich das Vorgehen an der Gruppe der 2- bis 15-Jährigen mit chronischen Erkrankungen und unklarer Immunkompetenz orientieren. Darauf machte die AG Impfen in einer Mitteilung anlässlich des Welt-Pneumonie-Tages der International Federation on Ageing (IFA) am 12. November erneut aufmerksam.

Hintergrund

Mehr als 650.000 Menschen erkranken alleine in Deutschland laut Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) jährlich an einer Pneumonie. Pneumokokken sind dabei die häufigsten Erreger. Vor allem für Kinder unter fünf Jahren aber auch für ältere und multimorbide Menschen kann eine Infektion mit Pneumokokken tödlich enden.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) plädiert nach wie vor für den alleinigen Einsatz des 23-valenten Polysaccharidimpfstoffs PPV23 ab einem Alter von 60 Jahren. Eine sequenzielle Impfung mit dem 13-valenten Konjugatimpfstoff PCV13 gefolgt von PPV23 nach 6 bis 12 Monaten wird ausschließlich bei Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten oder chronischen Erkrankungen empfohlen.

Ergebnisse

In den vergangenen Jahren hat die Arbeitsgruppe Impfen der DGG die STIKO-Empfehlungen um spezifische Empfehlungen speziell für ältere Menschen ergänzt. Danach empfehlen die Mitglieder der AG Impfen eine sequentielle Impfung für die Gruppe der Hochaltrigen und Multimorbiden in Analogie zum Vorgehen für die Gruppe der 2- bis 15-Jährigen mit chronischen Erkrankungen und unklarer Immunkompetenz.

Laut Dr. Anja Kwetkat, Direktorin der Klinik für Geriatrie am Uniklinikum Jena und Leiterin der DGG-Arbeitsgemeinschaft Impfen, wurde lange Zeit nur ungenügend berücksichtigt, dass das Immunsystem alter Menschen anders auf Impfungen reagiert, als dies bei jüngeren Menschen der Fall ist. Dabei sollten die Kenntnisse zur Immunseneszenz bei Hochaltrigen und Senioren mit Multimorbidität immer in den Impfempfehlungen berücksichtigt werden. Die Arbeitsgemeinschaft spricht sich daher für eine differenziertere Empfehlung für die Gruppe der Senioren aus, wie dies bereits in Belgien der Fall ist, wo explizite Empfehlungen für die Gruppe der mindestens 85-Jährigen und die 50- bzw. 60- bis 84-Jährigen mit und ohne chronische Erkrankungen ausgegeben werden.

Klinische Bedeutung

Generell eignet sich der Beginn der Grippesaison gut dafür, den Pneumokokken-Impfstatus von Patienten nochmals zu prüfen und bestehende Impflücken zu schließen: „Vor allem Influenza-und Pneumokokkenimpfung sind ein starkes Team gegen Pneumonien, so Dr. Kwetkat. Hier seien sowohl Hausärzte als auch Patienten in der Pflicht.

Anlässlich des Welt-Pneumonie-Tages am 12. November lud die IFA Ärzte, Kliniken und Institutionen dazu ein, Kurznachrichten zum Thema Pneumonie über die sozialen Netzwerke zu teilen, mit dem Ziel weite Teile der Bevölkerung zu erreichen und zukünftig mehr Menschen durch eine passende Impfung schützen zu können. Damit der Arbeitsaufwand so gering wie möglich bleibt, hat die IFA einen Social-Media-Kalender mit fertigen Textvorlagen, Links und Bildern zusammengestellt.