Welt-Hepatitis-Tag: Hohe Dunkelziffer erschwert Elimination der Virushepatitis in Deutschland

  • Deutsche Leberstiftung

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet aktuell nicht damit, dass Deutschland das für 2030 gesteckte Ziel der Elimination von Hepatitis B und C erreichen kann. Grund dafür ist vor allem die hohe Dunkelziffer nicht diagnostizierter Fälle. Darauf macht die Deutsche Leberstiftung anlässlich des Welt-Hepatitis-Tages am 28. Juli in einer Mitteilung aufmerksam. Es sei davon auszugehen, dass viele Betroffene in Deutschland von ihrer Erkrankung keine Kenntnis haben.

Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C

Über 190 Mitgliedsstaaten der WHO haben sich verpflichtet, der Virushepatitis den Kampf anzusagen. So hat auch die Bundesregierung im April 2016 die Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C sowie anderer sexuell übertragbarer Infektionen („BIS 2030 – Bedarfsorientiert, Integriert, Sektorübergreifend“) beschlossen. Während weltweit etwa zwischen 300 und 400 Millionen Menschen von Hepatitis B oder Hepatitis C betroffen sind, gehen aktuelle Schätzungen davon aus, dass in Deutschland etwa 250.000 Menschen chronisch mit dem Hepatitis C-Virus infiziert sind und sich bei ca. 200.000 bis 400.000 Erwachsenen Hinweise auf eine chronische HBV-Infektion finden.

Unzureichende Hepatitis B-Impfquote

„In Deutschland haben wir einen sehr guten Therapiezugang, aber das allein ist für eine Elimination nicht ausreichend. Wir brauchen mehr Tests“, betont Professor Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung. Dabei seien auch niedrigschwellige Test- und Therapieangebote wichtig, um alle Betroffenen zu erreichen. So könne ein Screening der Bevölkerung – zum Beispiel durch Aufnahme von Leberblutwerten in Vorsorgeuntersuchungen wie dem „Check-up 35“ – dazu beitragen, die Diagnoserate zu erhöhen, heißt es in der Mitteilung.

Das Robert Koch-Institut (RKI) fordert indessen Strategien zur Erhöhung der Hepatitis B-Impfquoten für die Allgemeinbevölkerung sowie für die unterschiedlichen Risikogruppen, insbesondere bei Sexualverhalten mit hoher Infektionsgefährdung oder injizierendem Drogengebrauch. Seit 1982 steht ein HBV-Impfstoff mit hoher Wirksamkeit und guter Verträglichkeit zur Verfügung, der einen langjährigen, möglicherweise sogar lebenslangen Schutz gegen eine Hepatitis B-Erkrankung bietet.