Weitergabe von Antibiotika: Should you take from Peter to treat Paul?


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Drei Viertel der Eltern behalten nach Gebrauch übrig gebliebene Antibiotika und geben sie sogar an andere Personen weiter, statt sie ordnungsgemäß zu entsorgen. Darauf machte jüngst der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in einer Mitteilung aufmerksam. Hintergrund sind die Ergebnisse einer US-amerikanischen Studie, die im November 2018 auf der National Conference & Exhibition der American Academy of Pediatrics (AAP) in Orlando präsentiert wurden.

Hintergrund

Antibiotika sind nicht ohne Grund rezeptpflichtig. Der Arzt muss im konkreten Krankheitsfall entscheiden, ob und gegen welche Bakterien ein Antibiotikum erforderlich ist. Patienten sollten übrig gebliebene Antibiotika keinesfalls aufheben und schon gar nicht an Dritte weitergeben. Doch nicht nur die Weitergabe, auch die unsachgemäße Entsorgung der Präparate im Hausmüll oder Abfluss fördert die Bildung resistenter Bakterien, warnt die  Kommission Antiinfektiva, Resistenz und Therapie (Kommission ART) beim Robert Koch-Institut (RKI).

Design

Für die Studie wurde ein anonymisierter Online-Fragebogen über Amazon Mechanical Turk an eine nationale Stichprobe von 496 Eltern verteilt.

Hauptergebnisse

Fast die Hälfte (48,2%) der Eltern gab an, dass sie übrig gebliebene Antibiotika nach Gebrauch behalten hätten, anstatt sie ordnungsgemäß zu entsorgen. 73% der Eltern gaben die Medikamente später an Geschwister des ursprünglichen Patienten, an nicht verwandte Kinder und nicht verwandte Erwachsene weiter. Die Weitergabe erfolgte sogar manchmal Monate nach der ursprünglichen Verschreibung des Antibiotikums - ohne ärztliche Beratung, heißt es in der aktuellen Mitteilung des BVKJ. Teilweise nahmen Eltern die übriggebliebenen Antibiotika auch selbst ein.

Diejenigen, die das Antibiotikum von anderen privaten Personen erhalten hatten, nahmen es in der ursprünglich vorgeschriebenen Dosierung ein, ohne einen Arzt zuvor zu konsultieren. Insgesamt gaben 16% der Teilnehmer an, dass sie ihrem Kind Antibiotika für Erwachsene gegeben hätten, indem sie die Dosis für ihr Kind entsprechend des Alters einschätzten und anpassten.

Klinische Bedeutung

Die Studienergebnisse zeigen, dass ein "alarmierender Prozentsatz“ der Eltern Antibiotika weitergibt, erklärte die leitende Studienautorin Dr. Ruth Milanaik vom Cohen Children's Medical Center in New York. Dies sei nicht nur für diejenigen gefährlich, die Antibiotika ohne Rücksprache mit einem Arzt einnehmen, sondern für ganze Bevölkerungsgruppen, bei denen einige Antibiotika nicht mehr helfen, wenn die Bakterien, auf die sie abzielen, resistent geworden sind, warnte die Pädiaterin und setzte sich für eine bessere Aufklärung ein: „Kliniker müssen unbedingt betonen, wie wichtig die richtige Verwendung und Entsorgung dieser Medikamente ist.“ Nur so könne sichergestellt werden, dass Antibiotika ein wirksames Mittel gegen Infektionskrankheiten bleiben.

Gleichzeitig sollte in weiteren Untersuchungen nach möglichen Ursachen für die Antibiotika-Weitergabe der Eltern gefahndet werden. So etwa fanden die Wissenschaftler heraus, dass einer der häufigsten Gründe, warum Eltern Antibiotika weitergegeben haben, war, dass sie die Kosten für einen zweiten Arztbesuch vermeiden wollten.