Weiterbildungsarzt darf Assistenten nicht das Feld überlassen


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Kassel (pag) – Weiterbildungsassistenten als Praxisvertreter beschäftigen? Das geht nicht. Ärzte, die ihre Weiterbildungsbefugnisse nicht ernst nehmen, müssen Fördergelder und Honorar zurückzahlen.

 

Keine Gnade kennt das Bundessozialgericht in Kassel mit einem Hausarzt, der als Geschäftsführer verschiedener Gesellschaften für seine Praxistätigkeit offenbar keine Zeit hatte. Um die Patienten kümmert er sich nur dienstags, die restlichen Tage in der Woche lässt er seinen Weiterbildungsassistenten behandeln, wie Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergaben. Weil der Arzt seine Pflicht zur Überwachung und Anleitung des jungen Kollegen verletzt hat, fordert die Kassenärztliche Vereinigung 70.000 Euro Honorar für die Leistungen zurück, die der Weiterbildungsassistent (WBA) ohne Aufsicht erbrachte. Dazu kommen 40.000 Fördergeld, die der Hausarzt für die Beschäftigung des WBA erhielt. Die Klagen des Mediziners bleiben – wenig verwunderlich – ohne Erfolg. Das Bundessozialgericht lehnt die Nichtzulassungsbeschwerde ab (BSG, Az. B 6 KA 25/18 B und B 6 KA 26/18 B).

Auch steuerlich ist eine solche laxe Einstellung eines Weiterbildungsarztes im Übrigen riskant. Denn wer als Praxischef die Arbeit von angestellten Kollegen (und damit auch von Weiterbildungsassistenten) nicht überwacht und kontrolliert, also nicht weiß, was diese tun, läuft Gefahr, sein Freiberufler-Privileg zu verlieren. Das heißt: Das Finanzamt kann die Praxis-Einnahmen der Gewerbesteuer unterwerfen, wenn es zu dem Schluss kommt, dass der Praxischef – etwa wegen häufiger Abwesenheit – nicht leitend tätig ist und keine Verantwortung für die Arbeit der Angestellten übernehmen kann. Die Praxis als Gewerbebetrieb – das kann teuer werden.