Weder OP-Masken noch Baumwollmasken filtern SARS-CoV-2 beim Husten ausreichend

  • Annals of Internal Medicine

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Weder professionelle OP-Masken noch die inzwischen alternativ empfohlenen Masken aus Baumwolle halten die Viren von Personen, die an COVID-19 erkrankt sind, beim Husten effektiv zurück. Dies ergab ein in Südkorea durchgeführtes Experiment, dessen Ergebnisse aktuell in den Annals of Internal Medicine veröffentlicht wurden.

Da es sowohl an Atemmasken mit eingebautem Filter (N95-Masken) mangelt, um sich gegen SARS-CoV-2 zu schützen, greift medizinisches Personal häufig auf OP-Masken zurück. Auch wiederverwendbare Baumwollmasken werden in der Bevölkerung als Ersatz gerne genutzt. Bislang sei jedoch nicht bekannt, ob chirurgische Masken oder Baumwollmasken, die von Patienten mit COVID-19 getragen werden, tatsächlich eine Kontamination der Umwelt verhindern, heißt es in einer Mitteilung des American College of Physicians

Forscher des Asan Medical Center in Seoul haben beide Masken an vier Patienten getestet, die an COVID-19 erkrankt waren. Die Patienten wurden angewiesen, jeweils fünfmal auf eine Petrischale zu husten, die sich etwa 20 cm vor ihnen befand. Das erste Mal ohne Maske, dann mit OP-Maske, beim dritten Mal mit Baumwollmaske und zuletzt wieder ohne Maske. Für jede der 5 Hustenepisoden wurde eine separate Petrischale verwendet.

Danach wurden die Maskenoberflächen mit aseptischen Dacron-Tupfern in der folgenden Reihenfolge aufgewischt: äußere Oberfläche der chirurgischen Maske, innenseite der chirurgischen Maske, äußere Oberfläche der Baumwollmaske und Innenseite der Baumwollmaske.

Viruslast beim Husten durch OP- Maske am höchsten

Laut der südkoreanischen Wissenschaftler betrug die mittlere Viruslast der 4 Teilnehmer im Nasopharynx-Abstrich 5,66 log-Kopien/mL und 4,00 log-Kopien/mL in der Speichelprobe. Die mediane Viruslast nach Husten ohne Maske, mit OP-Maske und mit Baumwollmaske betrug 2,56 log-Kopien/ml, 2,42 log-Kopien/ml bzw. 1,85 log-Kopien/ml. Alle Abstriche von den äußeren Oberflächen der Masken wurden positiv auf SARS-CoV-2 getestet, während die meisten Abstriche von der Innenseite der Masken negativ waren.

Frühere Studien zeigten, dass chirurgische Masken keine ausreichende Filterleistung gegen Aerosole mit einem Durchmesser von 0,9, bis 3,1 μm aufweisen. Die Größe des SARS-CoV-Partikels vom Ausbruch 2002-2004 wurde sogar nur auf 0,08 bis 0,14 μm geschätzt. Unter der Annahme, dass SARS-CoV-2 eine ähnliche Größe hat, sei es unwahrscheinlich, dass OP-Masken dieses Virus wirksam filtern können, schlussfolgern die Studienautoren. Zudem seien Größe und Konzentrationen von SARS-CoV-2 in Aerosolen, die während des Hustens entstehen, noch unbekannt.

Auf der Maskenaußenseite stärkste Kontamination von SARS-CoV-2

Bemerkenswert sei ebenfalls, dass eine größere Kontamination von SARS-CoV-2 auf der Außenseite als auf der Innenseite der Masken festgestellt wurde, berichten die Wissenschaftler. Zu erklären sei dies möglicherweise durch die aerodynamischen Eigenschaften der Maske. Ein turbulenter Strahl um den Maskenrand herum könnte die äußere Oberfläche kontaminieren, mutmaßen die Studienautoren. Alternativ könnten aber auch die kleinen Aerosole von SARS-CoV-2, die bei einem Husten mit hoher Geschwindigkeit entstehen, die Masken durchdringen. Umso wichtiger sei laut der Wissenschaftler die Handhygiene nach Berührung der Maskenaußenfläche.