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Kernbotschaften 

Aus kardiovaskulärer Sicht ist gefilterter Kaffee dem ungefilterten Wachmacher vorzuziehen. Dieses Fazit ziehen nach Angaben der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) schwedische Forscher aufgrund einer Studie, in der nach ihren Angaben erstmals Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Zubereitungsmethoden des psychotropen Getränkes und Herzinfarkten und Tod untersucht worden sei. Die Ergebnisse sind gerade im „European Journal of Preventive Cardiology“ erschienen.

Studienautor: Filter entfernt Cholesterin-erhöhende Substanzen

„Unsere Studie liefert starke und überzeugende Belege für einen Zusammenhang zwischen Kaffee-Zubereitungsmethoden, Herzinfarkt und Langlebigkeit", wird Studienautor Professor Dag S. Thelle von der Universität Göteborg in einer Mitteilung der ESC zitiert. „Ungefilterter Kaffee enthält Substanzen, die den Cholesterinspiegel im Blut erhöhen. Durch einen Filter werden diese entfernt und Herzinfarkte und vorzeitiger Tod werden weniger wahrscheinlich“, so der Epidemiologe und Präventivmediziner. 

Kaffee ist eines der beliebtesten Getränke weltweit und das am häufigsten verwendete Stimulans. Vor etwa 30 Jahren entdeckten Thelle und seine Mitarbeiter, dass das Trinken von Kaffee mit einem erhöhten Gesamtcholesterinspiegel und dem „schlechten“ LDL-Cholesterin verbunden ist - in einem Ausmaß, das wahrscheinlich schädlich für das Herz ist. Experimente identifizierten die Schuldigen in Kaffee und fanden heraus, dass sie mit einem Filter entfernt werden konnten. Eine Tasse ungefilterten Kaffees enthält im Vergleich zu gefiltertem Kaffee etwa die 30-fache Konzentration dieser Substanzen.

Eine Langzeit-Beobachtungsstudie 

Thelle: „Wir haben uns gefragt, ob dieser Effekt auf das Cholesterin zu mehr Herzinfarkten und zum Tod durch Herzerkrankungen führen würde.“ Es wäre allerdings umethisch gewesen, eine randomisierte und kontrollierte Studie dazu durchzuführen. Thelle und seine Kollegen entschlossen sich daher für eine große longitudinale Bevölkerungsstudie. Zwischen 1985 und 2003 wurde eine repräsentative Stichprobe der norwegischen Bevölkerung in die Studie aufgenommen: 508.747 gesunde Männer und Frauen im Alter von 20 bis 79 Jahren. Die Teilnehmer füllten einen Fragebogen zu Menge und Art des konsumierten Kaffees aus. Es wurden auch Daten zu Variablen gesammelt, die sowohl den Kaffeekonsum als auch Herzerkrankungen beeinflussen können, so dass diese in der Analyse berücksichtigt werden können. Zum Beispiel Rauchen, Bildung, körperliche Aktivität, Größe, Gewicht, Blutdruck und Cholesterin. Die Teilnehmer wurden durchschnittlich 20 Jahre lang beobachtet. Insgesamt starben 46.341 Teilnehmer. Davon waren 12.621 Todesfälle auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen. Von den kardiovaskulären Todesfällen wurden 6.202 durch einen Herzinfarkt verursacht.

Offenbar ganz schlecht: kein Kaffee

Insgesamt war Kaffeetrinken keine wirklich gefährliche Angewohnheit. Das Trinken von gefiltertem Kaffee war den Autoren zufolge sogar sicherer als der Verzicht darauf. Im Vergleich zu Kaffee-Abstinenz war gefiltertes Gebräu mit einem um 15% verringerten Gesamtmortalitäts-Risiko verbunden. Beim kardiovaskulär bedingten Tod war gefiltertes Gebräu mit einem um 12% verringerten Risiko bei Männern und einem um 20% verringerten Risiko bei Frauen assoziiert. Die niedrigste Sterblichkeit war bei Verbrauchern von 1 bis 4 Tassen gefiltertem Kaffee pro Tag zu verzeichnen.

Thelle: „Die Feststellung, dass diejenigen, die das gefilterte Getränk trinken, etwas besser abschneiden als diejenigen, die überhaupt keinen Kaffee trinken, kann nicht durch andere Variablen wie Alter, Geschlecht oder Lebensgewohnheiten erklärt werden.“
Gefilterter Kaffee schnitt bei den Parametern Gesamt-Mortalität und kardiovaskuläre Mortalität auch besser ab als ungefilterter Kaffee. Laut Thelle zeige ihre Analyse, dass dies teilweise auf die Cholesterin erhöhende Wirkung von ungefiltertem Kaffee zurückzuführen sei.

Darüber hinaus stellten die Studienautoren fest, dass der Genuss von ungefiltertem Kaffee nicht mit einem höheren Sterberisiko als ein Leben ohne Kaffee einhergeht. Dies gelte allerdings nicht für Männer ab 60 Jahren, bei denen ungefiltertes Gebräu mit einer erhöhten kardiovaskulären Mortalität einherging. Diesen Risiko-Personen muss daher wohl empfohlen werden, hin und wieder ein Gläschen Rotwein zu genießen. Denn der enthalte gefäßschützende Phenole, wie - mal wieder - ein Team von Wissenschaftlern in einer nicht minder wichtigen Studie  festgestellt hat - in diesem Fall übrigens keine Wissenschaftler aus einem Weinanbau-Gebiet. Die Autoren um Dr. Samuel R. Weaver arbeiten an der Universität von Birmingham. Aber das schließt ja Weinkennerschaft nicht aus.