Was bringt der Innovationsfonds?


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Aus dem Innovationsfonds sind bisher 780 Millionen Euro in neue Versorgungsformen und 280 Millionen in Versorgungsforschung geflossen. Gute Projekte sollen in die Regelversorgung kommen. Wie geht es voran und was bleibt übrig von der Investition? Antworten hat der Chef des Innovationsausschusses, der gleichzeitig unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) ist: Professor Josef Hecken. 

Univadis: Wann ist der Beweis dafür erbracht, dass der Fonds tatsächlich ein Motor für eine bessere Patientenversorgung ist?

Hecken: Für die ersten drei Förderwellen zu neuen Versorgungsformen werden in circa zwei Jahren alle Berichte der Projekte vorliegen. Dann wissen wir, wie viele tatsächlich in irgendeiner Form übertragen werden können. Für mich wäre es ein Erfolg, wenn es 20 Prozent in die Regelversorgung oder in große Selektivverträge schaffen. Das wäre eine Erfolgsquote, die ich bei den ganzen Verträgen zur Integrierten Versorgung, bei denen Milliarden verausgabt wurden, nicht gesehen habe.

Univadis: Wie wird die Übertragung vom Projekt in die reale Versorgungswelt sichergestellt?

Hecken: Sobald die Evaluationsberichte vorliegen, muss der Innovationausschuss innerhalb von drei Monaten beurteilen, ob das Projekt in der Regelversorgung oder in einem Selektivvertrag münden soll oder ob der Ansatz nicht in der Versorgung landen wird. Eine solche abschließende Befassung ist notwendig, denn wenn eine Milliarde Euro ausgegeben wird, können die Projekte nicht einfach im Sande verlaufen. Mir gefällt allerdings die daran anknüpfende Rechtsfolge nicht: Empfiehlt der Innovationsausschuss eine Übertragung in die Regelversorgung, muss der G-BA binnen zwölf Monaten über die Aufnahme entscheiden. Damit bestimmt der Innovationsauschuss faktisch über den Leistungskatalog. Ich befürchte, dass wir im Innovationsausschuss als Folge eher zurückhaltend sein werden mit Empfehlungen für die Regelversorgung.

Univadis: Warum?

Hecken: Ein Projekt kann möglicherweise nicht eins-zu-eins auf ganz Deutschland übertragen werden und in der Folge müssen solche Projekte angepasst werden, zum Beispiel im Design oder den Qualitätsanforderungen. Wenn ich als Vorsitzender des Innovationsausschusses mir als G-BA-Vorsitzendem einen Brief schreibe mit der Empfehlung, ein Projekt in die Regelversorgung zu übernehmen, läuft die Frist und wir müssen im G-BA die Aufnahme umsetzen, obwohl das noch nicht ausgereift ist. Ob ich mir wirklich einen solchen Brief schreibe, werde ich mir also vorher sehr gut überlegen.

Univadis: Nach welchen Kriterien wird entschieden, ob ein Projekt in die Regelversorgung oder in einen Selektivvertrag überführt wird?

Hecken: Viele Projekte betreffen Prozessinnovationen und darüber entscheidet nicht der G-BA. Grundsätzlich gilt: Ob das Modell in die Regelversorgung oder in einen Selektivvertrag kommt oder nur vergütungsrelevant ist, ist je nach gesetzlicher Grundlage zu entscheiden.

Univadis: Können Sie ein Beispiel nennen?

Hecken: Überträgt man etwa das Projekt aus Nordrhein eins-zu-eins, müsste es eine Gebührenziffer dafür geben, dass sich der Psychotherapeut mit dem Psychiater austauscht, Befunde abgeglichen werden etc. Darüber hinaus sind OPS-Kriterien zu verändern und in der Psychotherapie-Richtlinie muss außerdem festgelegt werden, wann ein gemeinsames Konzil stattfindet.

Die ganzen Strukturverbesserungsmaßnahmen müssen entweder im EBM oder im DRG-System abgebildet werden. Das gilt beispielsweise für ein Krankenhausprojekt, bei dem der weiterversorgende Arzt über das übliche Entlassmanagement hinaus sehr intensiv über seinen Patienten informiert wird. Das ist gegenwärtig in den DRGs nicht abgebildet, dort müsste eine Anpassung stattfinden.

Univadis: Wie viele Projekte sehen Sie als gefährdet an?

Hecken: Von den 150 Projekten dürften sich 15 bis 20 nicht allein über Wasser halten. Denen müsste man unter die Arme greifen dürfen, zumal in der kritischen Zeit deutlich weniger Kosten anfallen.