Warnung vor erhöhtem Leptospirose-Risiko in Sri Lanka


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Wer demnächst eine weite Reise unternehmen will, muss sich, je nach Zielort, nicht allein Gedanken über das neue Coronavirus, Hepatitis-B-Viren oder Malaria machen. Reisemediziner weisen nun auf ein derzeit erhöhtes Leptospirose-Risiko in Sri Lanka hin. Bei Reise-Rückkehren sollte dann an diese Erkrankung gedacht werden, wenn eine Kombination aus Myalgien, Konjunktivitis, Ikterus und Petechien vorliegt. 

Meist milde Verläufe

Im Januar sind nach Angaben des „CRM Centrum für Reisemedizin in Sri Lanka bereits 636 Menschen an Leptospirose erkrankt. Am stärksten betroffen ist der Distrikt Ratnapura im südlichen Binnenland der Insel. Bei Leptospirose handelt es sich um eine bakterielle Infektion, die über kleine Hautverletzungen oder die Schleimhäute erworben wird. Sie kann sich in milder Form in grippeartigen Symptomen äußern, in schwerer Form unbehandelt aber auch zum Tod führen.

Inzidenz in Deutschland sehr gering

In den vergangenen drei Jahren wurden für Sri Lanka landesweit stark steigende Erkrankungszahlen verzeichnet: Von 3600 Erkrankungen im Jahr 2017 stiegen die Zahlen 2018 auf 5231 Erkrankungen an; 5903 Infektionen wurden für das letzte Jahr gemeldet. „Leptospiren, die Erreger der Leptospirose, sind Bakterien von einer gewundenen, schraubenartigen Form. Sie sind vorwiegend in den Tropen und Subtropen verbreitet, aber auch in gemäßigten Klimazonen zu finden“, erklärt Professor Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. Auch in Deutschland werden regelmäßig autochthone Fälle gemeldet. Laut Robert-Koch-Institut gab es 2018 in Deutschland 117 Fälle (68 Prozent Männer). Dies entsprach einer Inzidenz von 0,1 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner. Am höchsten war die Inzidenz bei Männern zwischen 25 und 29 Jahren (0,4 pro 100.000 Einwohner). Gut 40 Prozent der Erkrankungen seien wahrscheinlich in Deutschland erworben worden. Alle Erkrankungen traten laut RKI sporadisch auf, keine Erkrankung wurde einem Ausbruch zugeordnet.

Baden mit Elefanten keine gute Idee

Als Reservoir dienen den Leptospiren diverse Säugetiere, hauptsächlich Nager wie Ratten und Mäuse, die selbst nicht erkranken, aber die Erreger über den Urin ausscheiden. „In einem feuchten Milieu – in Wasser oder Schlamm – können die Leptospiren lange in der Umwelt überleben“, ergänzt Jelinek in einer Mitteilung. Menschen infizieren sich entweder durch direkten Kontakt mit erregerhaltigem Urin oder den Kontakt mit einer kontaminierten Umwelt. Dabei gelangen die Bakterien über Hautläsionen oder die Schleimhäute in den Körper. „Reisende in Sri Lanka, insbesondere Rucksacktouristen und Expeditionsteilnehmer, sollten daher Süßwasser-Gewässer und Schlamm in den betroffenen Gebieten unbedingt meiden“, rät Jelinek. Eine Infektionsgefahr bestehe also beispielsweise beim Wasserfallklettern, Baden mit Elefanten oder beim Schwimmen. Zudem sollten Touristen sich ebenfalls von Tieren fernhalten.

Schwere Krankheitsverläufe bei Menschen mit Immunschwäche

Der Großteil aller Leptospirose-Erkrankungen verläuft mild: Nach einer Inkubationszeit von ein bis zwei Wochen ist das erste Stadium durch grippeartige Symptome wie hohes Fieber mit Schüttelfrost und starke Kopf- und Muskelschmerzen gekennzeichnet. Häufig treten zudem eine Rötung der Schleimhäute und eine Bindehautentzündung auf. Im zweiten Stadium können aber teilweise auch Organe betroffen sein: Bei Beteiligung der Leber und Niere und damit einhergehendem Ikterus, spricht man von Morbus Weil. Auch andere Organe wie die Lunge oder das Gehirn können betroffen sein, es kann zu einer Bronchitis, einer Meningitis oder einer Meningoenzephalitis kommen. „Dann sollte schnellstmöglich eine Therapie mit Antibiotika erfolgen, etwa mit Penicillin G oder Doxycyclin“, erläutert Professor Jelinek. Ohne entsprechende Behandlung verliefen zwei bis zehn Prozent aller Erkrankungsfälle tödlich. „Je nach Expositionsgefahr für den Reisenden kann auch eine prophylaktische Einnahme von Doxycyclin in Erwägung gezogen werden“, ergänzt Jelinek. Das müsse man aber im Rahmen einer individuellen reisemedizinischen Beratung gemeinsam besprechen.Besonders gefährdet, insbesondere für tödliche Verläufe, sind Menschen mit Immunschwäche („Der Internist).

Leptospirose tritt vorwiegend in tropischen und subtropischen Regionen auf, besonders nach starken Niederschlägen in der Regenzeit. Zu den Risikogebieten zählen unter anderem die Karibik, Brasilien, China, Indien und Malaysia. Aber auch in den gemäßigten Breiten kommt die Erkrankung vor, hauptsächlich im Sommer und Herbst. Vorwiegend betroffen sind bestimmte Berufsgruppen wie Bauern, Kanalarbeiter, Metzger oder Veterinäre.