Vorhofflimmern: Reduktion des Alkohol-Konsums ist eine effektive Sekundärprävention

  • New England Journal of Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine deutliche Reduktion des Alkohol-Konsums kann bei Patienten mit Vorhofflimmern, die regelmäßig zu viel Alkohol trinken, wiederholten Arrhythmien vorbeugen. 

Hintergrund

Alkohol-Konsum ist ein belegter Risikofaktor für Vorhofflimmern. Das Arrhythmie-Risiko steigt mit der Menge des Alkohols. Darüber hinaus ist Alkohol-Konsum mit anderen Risikofaktoren für die Herzrhythmus-Störung assoziiert, etwa mit Bluthochdruck, Übergewicht, obstruktiver Schlafapnoe und linksventrikulärer Dysfunktion. Im Fokus bei Vorhofflimmern standen in den letzten Jahren vor allem pharmakologische und minimal-invasive Therapien zur Schlaganfall-Prävention. Inzwischen sind auch modifizierbare Risikofaktoren wie Alkohol-Konsum in den Mittelpunkt gerückt. Eine dabei wichtige, bislang kaum geklärte Frage war, welche Relevanz Abstinenz in der Sekundärprävention der Herzrhythmus-Störung hat. Dies haben nun australische Kardiologen in einer klinischen Studie untersucht.

Design

An der randomisierten und kontrollierten Studie nahmen 140 Patienten teil, die entweder paroxysmales oder persistierendes Vorhofflimmern hatten und mindestens zehn Standard-Drinks pro Woche zu sich nahmen (reine Alkohol-Menge pro Woche etwa 120 Gramm). Rund zwei Drittel der Studienteilnehmer erhielt Antiarrhythmika, etwa ein Drittel hatte einen Schrittmacher. Patienten mit Alkoholsucht und schwerer linksventrikulärer Dysfunktion (Ejektionsfraktion unter 35 %) waren von der Studie ausgeschlossen.

Die Patienten (85% Männer, Durchschnittsalter 62 Jahre) wurden im Verhältnis von 1:1 zwei Gruppen zugeordnet. Die Patienten der einen Gruppe reduzierten ihren Alkohol-Konsum, die Patienten der anderen behielten ihren bisherigen Konsum bei. Koprimäre Endpunkte waren das Fehlen von Vorhofflimmern nach einer so genannten zweiwöchigen Blanking-Periode (einer Stabilisierungs-Phase) sowie die Belastung mit Vorhofflimmern (Anteil der Zeit mit der Arrhythmie) während einer sechsmonatigen Beobachtungsphase. 

Hauptergebnisse

  • Die Patienten in der Abstinenz-Gruppe reduzierten ihren Konsum von im Mittel 16,8 Drinks pro Woche auf 2,1 Drinks (relative Reduktion 87,5 Prozent);
  • Die Patienten in der Kontroll-Gruppe tranken ebenfalls weniger, allerdings betrug die relative Reduktion bei ihnen nur 19,5 Prozent (von durchschnittlich 16,4 Drinks pro Woche auf 13,2).
  • Nach einer zweiwöchigen Blanking-Periode betrug die Rate erneuten Vorhofflimmerns in der Abstinenz-Gruppe  53 Prozent, in der Kontroll-Gruppe 73 Prozent. 
  • Die Belastung mit der  Herzrhythmusstörung war in der Abstinenz-Gruppe ebenfalls deutlich geringer: Der mediane Anteil an Zeit mit Vorhofflimmern innerhalb von sechs Monaten betrug bei den Patienten der Abstinenz-Gruppe 0,5 Prozent, bei den Patienten der Kontroll-Gruppe 1,2 Prozent.

Klinische Bedeutung 

Die Ergebnisse bestätigen, dass Alkohol-Konsum ein modifizierbarer Risikofaktor in der Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern ist. Allerdings war die Zahl der Teilnehmer recht klein; zudem dauerte die Beobachtungsphase nicht wie geplant 12 Monate, sondern nur sechs Monate. Unklar bleibt aufgrund des hohen Männer-Anteils, ob auch Frauen mit Vorhofflimmern von einer so starken Reduktion des Alkohol-Konsums profitieren. Noch unbeantwortet ist zudem die Frage, ob eine „Abstinenz-Strategie“ bei Patienten mit stärkerer Belastung durch die Herzrhythmusstörung und strukturell bedingtem Arrhythmie-Risiko ähnlich effektiv ist.

Finanzierung: Staatliche Mittel und Stiftungen