Vorhofflimmern: „Real-World“-Daten zeigen höhere Komplikationsraten der Ablation als erwartet


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Gesamtrate der Komplikationen einer linksatrialen Ablation (LA) wegen Vorhofflimmerns ist in Deutschland 2014 höher gewesen als erwartet. Dies gilt vor allem für schwere Komplikationen. Kliniken mit mehr als 100 Eingriffen pro Jahr schnitten bei den Komplikationsraten besser ab als Kliniken mit weniger Ablationen.

Hintergrund

Die Katheter-Ablation bei Vorhofflimmern ist in den vergangenen Jahren zu einer der weltweit häufigsten invasiven Eingriffe in der Kardiologie geworden. Generell wird davon ausgegangen, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis bei korrekter Auswahl der Patienten und Indikationsstellung positiv ist. Die Studienlage dazu ist allerdings unbefriedigend. Aufgrund der methodischen Grenzen der vorliegenden Studien werden die Komplikationsraten in der Versorgungsrealität möglicherweise überschätzt. Ein Team um Dr. Gerhard Steinbeck von der LMU in München hat daher eine große Kohorten-Studie durchgeführt, in der DRG-Daten ausgewertet wurden. Es handelte sich demnach um eine Studienpopulation aus der klinischen Versorgungsrealität. 

Design

Auswertung der DRG-Daten des Jahres 2014 von 33.353 Patienten mit Katheter-Ablation wegen Vorhofflimmern und Vorhofflattern (linksatriale Ablation: n = 19.514; rechtsatriale Ablation: n = 13.871)

Hauptergebnisse

  • Rate aller Komplikationen bei linksatrialer Ablation (LA): 11,7 bis 13,8 Prozent 
  • Rate schwerer Komplikationen bei linksatrialer Ablation: 3,8 bis 72, Prozent
  • Rate aller Komplikationen bei rechts-atrialen Ablationen (RA): 10,5 Prozent
  • Rate schwerer Komplikationen bei rechts-atrialen Ablationen: 7,4 Prozent
  • Todesfälle im Krankenhaus traten bei RA deutlich häufiger auf als bei LA (0,34 versus 0,09 Prozent)
  • Kliniken mit mehr als 100 Ablationen pro Jahr hatten deutlich geringere Komplikationsraten als Kliniken mit weniger als 100 Ablationen (12,7 versus 16,4 Prozent)
  • Relevante Unterschiede bei den Komplikationsraten zwischen Kryo-Ablation und Radiofrequenz-Ablation gab es nicht.

Klinische Bedeutung

Die Rate der Komplikationen bei linksatrialer Ablation ist mit 11,7 bis 13,8 Prozent höher als erwartet. In der wissenschaftlichen Literatur werden periprozedurale Komplikationsraten von 1,0 bis 8 Prozent berichtet. Auch die Rate schwerer Komplikationen war in dieser Kohorten-Studie mit 3,8 bis 7,2 Prozent größer als in der Fachliteratur angegeben (3,9 bis 4,5 Prozent). Im Vergleich zu anderen Studien liefere ihre Studie jedoch am ehesten ein korrektes „Bild“ der Versorgungsrealität, so die Autoren. Die Daten bestätigen die Empfehlung, linksatriale Ablationen in Kliniken vornehmen zu lassen, wo solche Eingriffe vergleichsweise häufig gemacht werden. Die überraschend höhere Rate an schweren Komplikationen bei rechtsatrialer Ablation erklären sich die Autoren mit einer Ausweitung der Indikation auf alte und damit eher multimorbide Patienten.

Zur Finanzierung der Studie liegen keine Angaben vor. Einige beteiligte Autoren haben allerdings mögliche Interessenkonflikte (durch Zusammenarbeit mit Arzneimittelherstellern und medizintechnischen Unternehmen) angegeben.